1. Stendals älteste Handelsstraßen.
Nach Jahresbericht 37 des Altmärkischen Geschichtsvereins S. 16 ist die Stadt Stendal um das Jahr 1164 mit einem Spielraum von etwa 12 Jahren durch Albrecht den Bär gegründet. Ganz wunderbar schnell erhob sich das junge städtische Gemeinwesen. Die Gründe dafür finden wir allerdings in einer besonderen Bevorzugung seitens seines markgräflichen Gründers und dessen Nachfolger, dann aber auch in dem kühnen unternehmenden Geist seiner Bewohner und vor allem in der günstigen Lage des Ortes selbst. Es ist nicht nötig, hier zu wiederholen, was Goetze a. a. O. über die Handelswege schreibt, die teils süd-nördlich, teils west-östlich, sich in Stendal kreuzten; nur einiges wenige sei ergänzend hinzugefügt. In süd-nördlicher Richtung war natürlich die nicht weit von Stendal dahinfließende Elbe der Haupthandelsweg. Das betriebsame Magdeburg stand schon längst mit Hamburg in Schiffahrtsverbindung. Markgraf Albrecht der Bär, der die Bedeutung des Elbstroms für den Handel wohl erkannt hatte, stellte bei dem Kaiser Lothar den Antrag, die Elbezölle bei Elbeu, Mellingen (wüst oberhalb Tangermünde) und bei Tangermünde selbst zugunsten der Magdeburger Kaufleute zu ermäßigen; der Antrag wurde 1136 vom Kaiser genehmigt. Dadurch wurde der Handel auf der Elbe mächtig gehoben; das mußte auch für die Entwicklung des Handels in der neuen Stadt Stendal von größter Bedeutung werden. Außer diesem Wasserweg berührte auch eine wichtige Landstraße in nord-südlicher Richtung mittelbar die Stadt Stendal, nämlich die Handelsstraße Lübeck--Lüneburg--Salzwedel--Magdeburg--Nürnberg. In Salzwedel zweigte sich über das Kirchdorf Plathe der Handelsweg nach Stendal ab. --- Auf ein hohes Alter lassen sich die von Westen nach Osten führenden Straßen zurückführen. Gerade in dieser Richtung waren ja einst Roms sieghafte Adler vorgedrungen, hatten später die Heeresmassen der fränkischen und sächsischen Herrscher ihre Eroberungs- und Kolonisationszüge gegen die Slaven unternommen, denen dann friedlichere Elemente, gottbegeisterte Missionare und unternehmende Kaufleute, auf dem Fuße folgten. Von den beiden west-östlichen Wegen kommt hier wohl der weiter südlich gelegene Weg über Hildesheim--Goslar--Halberstadt--Magdeburg in Betracht, welcher die kürzeste Verbindung zwischen den beiden großen nord-südlichen Handelsstraßen, dem Leinefluß und der Elbe, herstellen sollte. Auf diese Weise erklären sich auch die frühen Handelsbeziehungen der niedersächsischen Städte zu den westlichen, besonders den flandrischen Weltmärkten, wofür uns bereits von dem letzten Drittel des 10. Jahrh. ab urkundliche Zeugnisse vorliegen. Gerade Köln, der Unterlauf der Maas und die Stadt Tiel stellten die wichtige Verbindungsstraße mit Flandern her, auf der die dort und in Friesland am frühesten entwickelte Wollenweberei in unsere niedersächsischen Gemeinwesen und auch in Stendal Eingang fand. Auf diesem Wege werden auch die Ansiedler gekommen sein, die Albrecht der Bär aus den Niederlanden sowie aus den angrenzenden rheinischen und westfälischen Distrikten herbeigerufen und wie a. a. O. auch in seiner jungen Stadt Stendal seßhaft gemacht hatte. Da war es denn nur natürlich, daß gerade der Stendaler Handel nach Flandern eine sehr bedeutende Rolle spielte.