IV. Die Sachsen, Kaiserlichen und Schweden in der Altmark. 1635—1650.
Nach der Schlacht bei Breitenfeld wälzten sich die Kaiserlichen und Schweden nach Süddeutschland, sodaß die Altmark sich von den erlittenen Drangsalen etwas erholen konnte. Freilich war die Ruhe nicht von langer Dauer, denn nachdem Wallenstein von dem bedrängten Kaiser wieder an die Spitze seiner Kriegsscharen berufen war, mußte der mit Sachsen und Schweden verbündete Kurfürst von Brandenburg auf den Schutz seiner Länder bedacht sein; er verordnete daher am 12. (22.) November 1632, wie am 4. (14.) Mai 1633, daß am ersten Mittwoch jedes Monats ein Buß- und Bettag abzuhalten sei, der Landadel sollte die Lehnpferde bereit halten, die Städte ihre Bürger ausrüsten und ein Verzeichnis der Mannschaften und Kriegsgeräte einreichen. Als Wallenstein nach dem Siege bei Steinau gegen die Neumark vorrückte und Berlin bedrohte, flüchtete der Kurfürst nach Stendal, wo er vom 25. Okt. (4. 11.) bis 14. (24.) November 1633 im Schulenburgischen Hofe wohnte. In Pommern und in der Mark wurde nun der Lehnsadel aufgeboten und aus den Städten der zehnte Mann ausgehoben. Die Städte waren jedoch schon so entvölkert, daß nur eine geringe Mannschaft zusammenkam, aus Gardelegen nur 18 Mann. Wallensteins Abmarsch nach Bayern verhinderte eine Aktion dieser Truppen. Vom 10. (20.) Februar bis zum 3. (13.) März 1634 war der Kurfürst wieder mit den Markgrafen von Ansbach in Stendal und wohnte im Brauergildehause. Da er an dem evangelischen Fürstenkonvente in Halberstadt nicht teilgenommen hatte und seine Zustimmung zu den Beschlüssen desselben verweigerte, so verhandelte vom 18. (28.) Februar bis 1. (11.) März der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna mit ihm, der zu diesem Zwecke mit einem großen Gefolge nach Stendal kam. Tangermünde mußte „Ihrer Exzellenz dem Herrn Ochsenstirn“ einen Ochsen für 15 Taler liefern. In dieser Zeit wurden Kriegskontributionen und Defensionssteuern für die kurfürstliche Leibkompagnie und das von Kracht’sche Regiment in Rathenow und Stendal, wo acht Kompagnien unter dem Oberst Kühn kurze Zeit lagen, erhoben. Tangermünde zahlte 1632: 1041 Fl. 1 Schill., 1633: 3570 Fl. 15 Schill. 3 Pf., 1634: 2982 Fl. 3 Schill. 6 Pf. Außerdem wurde die Altmark durch die 1631 eingeführte Abgabe des Zuschüttels- und Scheffelgroschens schwer belastet.
Die immerhin noch erträglichen Zustände erreichten aber mit dem Jahre 1635 wieder ihr Ende. Im Anfang dieses Jahres wurde nämlich die Altmark von einem starken Reiterregimente des Herzogs Franz Karl von Sachsen-Lauenburg besetzt. Er blieb bis Ende August und erhob außer Servis und Fourage 86041 Tl. Kontribution. Infolge des Prager Friedens war der Kurfürst Georg Wilhelm neutral geworden, während der sächsische Kurfürst sich mit dem Kaiser verbunden hatte. Die Schweden sahen das als Verrat an der evangelischen Sache an und erklärten beide Kurfürstentümer als Feindesland. Der schwedische Feldmarschall Baner stand damals im Erzstift Magdeburg; als nun der Kurfürst von Sachsen im August gegen ihn vorrückte, zog er sich langsam durch die Altmark nach dem Lüneburgischen zurück; noch am 5. (15.) Okt. lag ein schwedisches Reiterregiment in Stendal, aber am 10. (20.) Okt. rückten bereits sächsische Truppen ein, welche in der Stadt und Umgegend „erbärmlich hausten“, sie plünderten aller Orten und schonten selbst die Kirchen nicht. Mit dem erbeuteten Vieh und Korn trieben sie dann einen schwunghaften Handel. Auch Tangermünde wurde von den Sachsen besetzt, der schwedische Oberst Slange, der gerade damit beschäftigt war, eine Kontribution einzutreiben, mußte, ohne sein Vorhaben völlig ausführen zu können, schleunigst abrücken. Die Stadt und Umgegend hatte nun von den sächsischen Truppen schwer zu leiden. Ihr Treiben in dem neutralen Lande wird durch das bekannte Chronogramm geschildert:
Hans Georg ChVrfVrst Von SaChsen thVt Vns ALtMärCker WaCker pLaCken. (MCCCCCCLLVVVVVVV = MDCXXXV = 1635)
Von Tangermünde gingen die Sachsen, nachdem sie bereits am 7. (17.) Oktober unter Anführung des Obersten Ungar die Werbener Schanze erobert und die Besatzung nebst dem Kommandanten, Oberstleutnant Georg Petrulius, gefangen hatten, nordwärts vor, wurden aber bei Dönitz und Kyritz von den Schweden zurückgeworfen. Baner nahm darauf Havelberg, und die Werbener Schanze kapitulierte am 11. (21.) Dezember vor Torstenson. Baners Hauptquartier war erst in Quitzöbel an der Havelmündung, später in Rathenow. Aber die Hoffnung der geschlagenen Sachsen, daß er während des Winters hier still liegen würde, erfüllte sich nicht, der unermüdliche Heerführer ging bei Sandau über die Elbe und zog durch die Altmark und das Erzstift Magdeburg bis in die Gegend von Naumburg, mußte sich aber schon im Februar wieder zurückziehen. Bereits am 21. (3. 3.) erschien eine versprengte Abteilung schwedischer Reiter vor dem Tangermünder Tore von Stendal. Als der Rat den Eintritt verweigerte, wurde das Tor eingeschlagen und die Reiter drangen in die Stadt ein, in der sie bis zum 4. (14.) April bleiben. Die Hauptarmee kam erst zu Ende dieses Monats wieder in der Altmark, Baner nahm am 25. April (5. 5.) sein Hauptquartier auf dem Schlosse zu Tangermünde. Ein Teil seines Heeres lagerte hier, der andere auf dem Felde bei Kakerbek zwischen Gardelegen und Salzwedel. Noch am 30. April (10. 5.) war Baner in Tangermünde, denn an diesem Tage stellte er hier einen Schutzbrief für die Stadt Werben aus. In den ersten Tagen des Mai zog er selbst dorthin, hielt aber Tangermünde und Stendal noch stark besetzt. In letzterer Stadt sollen vom 6. (16.) Mai an vier Regimenter Reiterei und eine Kompagnie Fußvolk unter den Obersten Slange und Pfeil gelegen haben, welche erst nach dem Fall von Tangermünde, Ende Juni, abzogen. Diese schwedische Besatzung war für die Altmark eine so schwere Plage, daß die meisten Dorfbewohner Hab und Gut verließen und flüchteten, auch die Geistlichen verließen ihre Pfarren, so daß im ganzen Osten der Altmark die Gottesdienste in den Dörfern aufhörten. Auf die Vorstellung der Landeskommissare erließ Baner aus seinem Feldlager bei Werben am 20. (30.) Juni ein Patent, welches unter Trommeln und Trompeten überall ausgerufen wurde. Darin gebot er den Offizieren und Soldaten die Schonung der Personen und des Eigentums, insonderheit forderte er die Geistlichen auf, in die verlassenen Orte zurückzukehren und versprach ihnen seinen Schutz. Auf Verlangen gewährte er den einzelnen Orten Sauvegarden. Aber auch jetzt noch wurden überall Exzesse begangen. In Osterburg hatte erst das Banersche Leibregiment zu Pferde gelegen, es wurde von dem Regimente Dewitz abgelöst, diesem folgte das Kurländische und das Finnische Regiment. Da die Stadt den Unterhalt für die beiden starken Regimenter nicht mehr aufbringen konnte, wurde Ende Juni die „militärische Exekution“ verfügt, d. h. Osterburg wurde geplündert, so daß sich 16 Wochen kein Bürger darin sehen ließ. Der Verlust an Korn, Vieh und Braupfannen wurde auf 2970 Taler berechnet.
Inzwischen hatten die Sachsen unter dem Kurfürsten und dem General Hatzfeld die Stadt Magdeburg, in welcher Baner sechs Regimenter unter den Obersten Hans Drake und Salomon Adam zur Verteidigung zurückgelassen hatte, eingeschlossen und nach Eroberung der wichtigsten Außenwerke am 15. (25.) Juni das Bombardement eröffnet. Nach tapferer Gegenwehr kapitulierte die Besatzung am 3. (13.) Juli und zog zwei Tage darauf mit allen kriegerischen Ehren ab. Am 8. (18.) Juli langte sie bei Stendal an, lagerte in den Gärten vor dem Arneburger Tore und zog dann nach Werben weiter, wo sie erst am 15. (25.) Juli vollständig eintraf; sie brachte nur ein Geschütz mit, zwei andere waren aus Mangel an Vorspannpferden unterwegs zurückgelassen. Baner zog, weil er das Nachrücken des Feindes befürchten mußte, die zerstreut liegende Reiterei nach dem Lager bei Werden zusammen. Aber diese Maßregel erschwerte die Verpflegung ungemein. Weil die ausgesogene Landschaft die starke Truppenzahl nicht mehr erhalten konnte, mußten die Reiter 6 bis 8 Meilen weit bis in das Braunschweigische und Lüneburgische hinein requirieren. Baner faßte daher den Entschluß, von Werden aufzubrechen, sich im Lüneburgischen mit dem Feldmarschall Leslee zu vereinigen, von Lüneburg aus auf Winsen an der Luhe zu marschieren, von dort über Braunschweig und Halberstadt gegen die Saale vorzuziehen und den Krieg nach Kursachsen hinüberzuspielen und den Widerstand der Feinde nötigenfalls durch eine Schlacht zu überwinden. Baners Vorschlag an Leslee überbrachte sein Adjutant Tortzig. Obwohl Leslee von dem bedrängten Landgrafen von Hessen zu Hilfe gerufen war, beschloß er doch, seine Truppen bei Nienburg an der Weser zusammen zu ziehen und zu Baner zu stoßen. Der Landgraf entwich nach Westfalen.
Baner brach am 2. (12.) August von Werden auf, er ließ in Alt-Brandenburg 11 Kompagnien, in Rathenow eine Schwadron Dragoner, in Havelberg eine Kompagnie und in der Werbener Schanze zwei Kompagnien vom Regiment des Generalmajors Axel Lilie nebst 10 Geschützen zurück. Seine bereits am Tage vorher aufgebrochene Avantgarde unter dem Obersten Crockaw hatte bei Uelzen die feindlichen Meyerschen Truppen zersprengt und in das Braunschweigische verjagt. Die Stadt selbst mit einer Besatzung von 100 Mann Lüneburgern setzte sich zur Wehr. Am 6. (16.) traf Baner selbst vor Uelzen ein, nahm es am folgenden Tage und rückte gegen Lüneburg vor. Bei der Stadt stieß am 12. (22.) Leslee mit 2500 Reitern und 1500 Mann zu Fuß zu ihm. Auf Baners Zureden behielt er das Kommando, das er hatte niederlegen wollen. Als Baner nach vergeblichen Unterhandlungen mit Lüneburg Anstalten traf, die Stadt in Sturm zu nehmen, wurde ihm der Kalkberg eingeräumt, den er mit 300 Mann vom Ermischen Regiment unter dem Oberstleutnant Ritter besetzte. Am 15. (25.) August fiel auch das Schloß Winsen in die Hände der Schweden.
Unterdessen war schon vor der Kapitulation von Magdeburg die sächsische Vorhut unter dem General Hatzfeld in die Altmark eingedrungen. Am 27. Juni (7. 7.), 4 Uhr morgens, wurde Tangermünde überrumpelt, wobei 300 Schweden niedergemacht wurden. Die eroberte Stadt wurde furchtbar geplündert, wobei 13 Personen aus der Bürgerschaft, darunter ein alter Bürgermeister, das Leben verloren. Nicht bloß die Bürgerhäuser, sondern auch das Rathaus und die Kirche, wo Waisengelder und dem Landadel gehörende Wertstücke versteckt waren, wurden geplündert. Einige Wochen später fand man die Leiche eines 16 jährigen Mädchens, das sich vor den brutalen Angriffen der Soldaten in einen Brunnen gestürzt hatte. Der Pfarrer Laurentius Praetorius (Lorenz Schulze) hatte für das Pfarrhaus eine Schutzgarde erhalten und dadurch einige Hundert Kranke und Kinder, die bei ihm Zuflucht gesucht hatten, geschützt. Er schildert die Verhältnisse in seiner 1637 in Berlin gedruckten Predigt „Geistliche Reinfahr für kraftlose Herzen“. Noch lange Zeit wurde in Tangermünde alljährlich am Montage nach dem zweiten Trinitatissonntage eine Gedächtnispredigt gehalten.
Nach dem Falle von Magdeburg rückte auch das Gros der sächsisch-kaiserlichen Truppen in die Altmark ein. Am 3. (13.) August kamen sächsische Dragoner in Stendal an und am 14. (24.) August hielt der Kurfürst selbst, den bloßen Degen in der Hand, seinen Einzug in die Stadt. Tangermünde wurde Hauptquartier. Vierzehn Tage lagerten sächsische Truppen im Feldlager vor Osterburg, bei dieser Gelegenheit wurden die Hospitäler St. Georg mit der Kirche, St. Martin, St. Gertrud und St. Christoph niedergerissen, man berechnete diesen Schaden auf 5000 Taler. Die bei Tangermünde geschlagene Schiffsbrücke wurde am 22. August (1. 9.) abgebrochen und die vereinigten sächsischen und kaiserlichen Truppen rückten nordwärts vor. Auf dem rechten Elbufer hatte unterdessen der General Klitzing operiert und am 16. (26.) August Havelberg genommen. Die Besatzung zog ohne Fähnlein und Gewehr ab. Darauf wendete sich Klitzing gegen die Werbener Schanze. Weil der frühere Kommandant Andreas Watz und andere Offiziere sich weigerten, ihn zu begleiten, so nahm er einen gemeinen Knecht und einen Trompeter und sendete sie mit der Aufforderung zur Übergabe in die Schanze. Um seiner Forderung mehr Nachdruck zu geben, erklärte er, im Falle der verweigerten Übergabe den Oberstleutnant und alles Volk aus Havelberg vor den Augen der Besatzung niedermachen zu wollen. Unter den Schweden herrschte völlige Anarchie, denn der Kommandant war vier Tage vorher gestorben. Die Mannschaft meuterte und kapitulierte gegen den Willen der Offiziere am 27. August (6. 9.). Dann wurde Rathenow erstürmt, vier Fähnlein gewonnen und der größte Teil der Besatzung niedergemacht. Auch Alt-Brandenburg wurde ohne große Mühe eingenommen. Später wurde über alle diese Truppen Kriegsgericht gehalten, die Anstifter der Übergabe kamen an den Galgen.
Am 20. (30.) August brachen die Schweden von Lüneburg auf und marschierten nach Salzwedel, das sie am 23. (2. 9.) erreichten. Hier erfuhr Baner den Verlust der besetzten Plätze. Er beschloß nun, gegen die Feinde vorzugehen. Aber auf die Kunde von seinem Anmarsche zogen die Sachsen und Kaiserlichen nach Perleberg und verschanzten sich bei der Stadt in einem durch Sumpf und Gebüsch verschanzten Lager. Baner wagte keinen ernstlichen Angriff, sondern zog nach einigen unbedeutenden Scharmützeln auf Parchim in Mecklenburg, wo ihn der Sukkurs des Feldmarschalls Wrangel aus Pommern erreichte. Mit seiner Armee, die nun aus 9150 Reitern und 7228 Mann zu Fuß bestand, brach er am 13. (23.) September nach Putlitz auf, am folgenden Tage erreichte er Wolfshagen, am 16. (26.) Wilsnack. Von hier aus sendete er den General Vitzthum gegen Havelberg, welches der Hauptmann Töpfer am 18. (28.) September übergab. Zum Kommandanten der schwedischen Besatzung wurde Thomas Thomsen bestimmt. Unterdessen hatte Baner selbst die feindlichen Proviantschiffe auf der Elbe weggefangen und vom 16. (26.) bis 18. (28.) September die Werbener Schanze beschossen. Als aber die Feinde das Perleberger Lager verließen, um sich mit Klitzing zu vereinigen, brach er die Belagerung ab und eilte ihnen nach. Er erreichte sie am 24. September (4. 10.) bei Wittstock und lieferte ihnen die mörderische Schlacht, welche die Ehre der schwedischen Waffen wieder herstellte und der Krone Schweden wieder das Übergewicht gab. Die Reste des geschlagenen Heeres flüchteten nach dem Süden, wobei „mancher gute Mann herhalten mußte.“ Die Reiterei ging über die Havel und das Fußvolk unter dem Kurfürsten selbst unter dem Schutze der Werbener Schanze über die Elbe, um Magdeburg zu erreichen. Als der Kurfürst in der Nacht die Schiffsbrücke passierte, ging ihm der zahme Bär, den er stets bei sich führte, verloren im Tumult, worüber er sehr bekümmert war und auch von seinem Hofnarren sich nicht wollte trösten lassen. Baner folgte dem Kurfürsten auf dem Fuße nach, aber seine hitzige Verfolgung wurde durch die Schanze aufgehalten. Er entschloß sich zur Belagerung, konnte sie aber erst am 13. (23) Oktober einnehmen. Die Offiziere durften mit weißen Stäben abziehen, die Mannschaft, ungefähr 300 Köpfe stark, wurde in die schwedischen Regimenter gesteckt. Noch an demselben Tage marschierten die Schweden nach Gardelegen ab. Der Feldmarschall reiste erst nach Kyritz, wo er mit seiner Gemahlin krankheitshalber einige Tage verweilte, dann folgte er am 18. (28.) selbst nach Gardelegen. In der Werbener Schanze blieb nun eine schwedische Besatzung zurück. Am 25. Oktober (4. 11.) brach Baner von Gardelegen auf und marschierte nach Aschersleben.
Die Stadt Gardelegen, in welcher „nichts als tote Pferde und große Armut bei den Leuten zurückgelassen war,“ blieb von dem Regimente des Obersten von Strahlendorf besetzt, der auf der Krone der Stadtwälle Palisaden aufstellte. Nach seinem Abzuge kamen vier Kompagnien Reiter unter dem Rittmeister Rochau, welche am 29. Mai (8. 6.) des folgenden Jahres abrückten, nur der Rittmeister selbst blieb mit einem Kapitänleutnant und 70 Dragonern bis zum 27. Juni (7. 7.), wo sie die Stadt dem kaiserlichen Obersten von Zettwitz übergaben.
Durch den Aufenthalt und die Durchmärsche der feindlichen Parteien hat die Altmark schwer gelitten, am meisten die Landbevölkerung. Viele Bauern hatten Haus und Hof verlassen und sich in Sümpfen und Wäldern versteckt, sie wurden von der rohen Soldateska mit Hunden herausgehetzt und „ganz erbärmlich nach allem Mutwillen traktiert.“ Die leerstehenden Gehöfte wurden häufig von den weiterziehenden Truppen in Brand gesteckt. Selbst Kirchen und Friedhöfe wurden nicht geschont, in Arneburg wurde die Gruft des 1463 beigesetzten Markgrafen Friedrich des Jüngern von kaiserlichen Soldaten erbrochen und geplündert, an einem anderen Orte wurden zinnerne Särge von den Marketendern geleert und eingeschmolzen. Vermehrt wurden die Leiden der unglücklichen Bevölkerung durch den Ausbruch einer pestartigen Seuche, welche besonders in Stendal wütete, wohin viele Bauern aus der Umgegend und Bürger aus Osterburg, Werben und Seehausen geflohen waren. Die Gesamtzahl der hier Gestorbenen wird auf 5000 geschätzt, die Kirchenbücher geben allerdings nur 2000 an, aber das sind nur die mit kirchlichen Ehren Begrabenen, die meisten Toten wurden an beliebigen Orten, namentlich in den Gärten, eingescharrt. In Gardelegen starben 1700 Personen, darunter 195 schwedische Soldaten. Auch die Dörfer wurden durch die Seuche entvölkert. Dazu kam die Plage der Feldmäuse, die alles Getreide auf den Äckern verzehrten. Auch die Wölfe hatten in dem verödeten Lande so überhand genommen, daß sie ungescheut in die Ortschaften einbrachen. Was an barem Gelde bei den Leuten vorhanden war, wurde unnachsichtlich eingetrieben. Leider sind wir über die Leistungen der einzelnen Orte nicht genügend unterrichtet. In Tangermünde erhoben Hatzfeld und der schwedische Oberst Guin 5503 fl. 19 Schill. 4 Pf. und der Oberst von Strahlendorf, der hier seine Hochzeit feierte, nötigte den Rat zu einem Geschenk von drei silbernen Bechern. Am Schlusse des Jahres zog ein schwedisches Regiment durch die Altmark, es kam am 12. (22.) November vor Stendal an, die Reiter hieben das verschlossene Viehtor ein und erzwangen sich Quartier in der Stadt, zogen aber schon am folgenden Tage weiter.
Infolge eines Vertrages hatten die Schweden im Jahre 1637 die Altmark geräumt, die nun von den brandenburgischen Völkern besetzt wurde. Die Werbener Schanze erhielt ihre Besatzung am 6. (16.) August unter dem Kommando des Obersten Burchard Goldacker, der auch Kommendator der Johanniterkomturei Werben war. Am 30. Oktober (9. 11.) wurde Gardelegen besetzt. In Stendal lag bis zum 3. (13.) Dezember der Oberst Volkmann, am 7. (17.) Dezember rückte der Oberst Klitzing mit einer Kompagnie Dragoner ein. Die Altmark hatte den Unterhalt für das Klitzingsche Regiment aufzubringen. In der Zeit vom Juli 1637 bis März 1638 wurden 50682 Taler, „ohne Servis, Diskretions- und anderen Ungeldern“ zu ⅔ von den Städten und ⅓ von dem Lande gezahlt. Noch drückender wurden die Abgaben durch die sogenannte Kriegsmetze, welche durch kurfürstliches Edikt vom 12. (22.) August 1637 eingeführt war. Es mußte nämlich von jedem Scheffel Korn, der zur Mühle gebracht wurde, außer der bisherigen Mahlmetze noch eine Metze abgeliefert werden, auch von jedem Brauen Malz zog der Ziesenmeister einen Scheffel ein. Da wegen des Mäuseschadens nur wenig Getreide geerntet wurde, so holten die Stendaler Bürger aus der Umgegend von Salzwedel Korn auf Schubkarren oder trugen es auf den Schultern heim. Auch aus Mecklenburg und Pommern wurde Brotkorn bezogen. Unter dem Vieh herrschte eine durch die sächsischen Viehtransporte schon im Vorjahre eingeschleppte Seuche, an der einmal von einer 1200 Stück zählenden Herde auf den Wiesen bei Hämerten an einem Tage 300 Stück verendeten.
Die Klitzingsche Besatzung wurde 1638 durch den Oberstleutnant von Kracht abgelöst, der am 14. (24.) Februar mit vier Kompagnien in Stendal einzog, am 3. (13.) März wurde eine davon nach Seehausen verlegt, die Leibkompagnie lag vom 1. (11.) Juni bis 9. (19.) Juli in Tangermünde. Der Rat hatte für dieselbe 600 Pfund Brot zu liefern, außerdem verlangte Klitzing eine Lieferung von 10000 Pfund für das brandenburgische Fußvolk nach Sandau, auf inständiges Bitten ermäßigte er seine Forderung auf die Hälfte. In der Stadt waren nur 1200 Pfund aufzutreiben, der Rest wurde überall zum Preise von 9 Pfg. für das Pfund zusammengekauft. Am 28. März (7. 4.) zog sächsische Artillerie mit fünf Geschützen durch Stendal.
Als der Kurfürst von Brandenburg sich dem Kaiser angeschlossen hatte, zogen seine Truppen aus der Altmark nach Pommern und Mecklenburg, wo die Schweden bei Malchin standen. Hier brach wieder eine Hungersnot und infolgedessen eine Seuche aus. Nun wurden die Kranken der brandenburgischen Armee nach der Altmark gebracht, nach Salzwedel allein 400, die Kranken des Klitzingschen Regiments kamen nach Tangermünde und „haben die Bürgerschaft aufs heftigste molestiert.“ Außerdem wurde das Land von Merodibrüdern (Marodeurs) überschwemmt, haufenweise überfielen sie die Dörfer und verdarben mutwillig, was sie nicht fortschleppen konnten. Als Baner Verstärkungen aus Schweden erhalten hatte, brachen die Kaiserlichen und Sachsen von ihm verfolgt auf und wichen über Lenzen durch die Wische nach dem Südosten der Altmark zurück. Schon im Juli und August lagen die Kroaten unter dem Rittmeister Marckaw in Tangermünde, welches vorher vorübergehend durch ein schwedisches Streifkorps vom Regiment Wrangel unter dem Rittmeister Benicke besetzt gewesen war. Im Oktober und November folgten Truppen des kaiserlichen Oberstleutnants Monroi unter dem Hauptmann Schwalbe. Am 11. (21.) November wurde die ganze Artillerie des kaiserlichen Heeres nach Tangermünde gelegt. Der General Marozin zog über Seehausen nach Osterburg, welches wieder geplündert wurde, dabei ging Getreide und Vieh im Werte von 4971 Talern verloren. Die Roßmühle in der Stadt und eine Windmühle außerhalb wurden niedergerissen. Am 29. November (9. 12.) traf Marozin in Stendal ein, er wohnte im Brauergildehause. Am 9.(19.) Dezember folgte der General Gallas, er wohnte bei dem Dr. Kratz und der Erzherzog von Florenz bei dem Bürgermeister Bartholomäus Schönebeck. Die beiden Städte waren nicht imstande, mit der umliegenden verödeten Landschaft die beiden Heere zu unterhalten, darum brach die entsetzlichste Hungersnot aus, unter der die Soldaten ebenso, wie die Bevölkerung zu leiden hatten. Für ein Brod wurde von den Soldaten ein Reichstaler geboten, für einen Scheffel Roggen boten die Bauern einen Taler und mehr, aber vergebens, es war nichts mehr zu bekommen. Nun wurde Brot aus Kleie, Kaff (Spreu) und Eicheln gebacken, die Heringslake stand hoch im Preise, denn damit salzten die Leute das in Wasser gekochte Kraut und Gras. Selbst das Aas des gefallenen Viehs wurde verzehrt, die Gedärme wurden gekocht und öffentlich feilgeboten. In Stendal schlachtete ein Soldat in Lorenz Büschels Hause auf der großen Bruchstraße ein Kind und sättigte sich daran. Ein dicker Bauer aus Bellingen, Ebel Reppin, wurde von marodierenden Soldaten an der steinernen Brücke bei Tangermünde geschlachtet und verzehrt. Diese entsetzliche Hungersnot hatte natürlich alle Bande der Disziplin gelöst. Meilenweit schweiften die Soldaten umher und suchten von den Landbewohnern unter den fürchterlichsten Qualen Geld oder Lebensmittel zu erpressen. In dieser Zeit ist der sogenannte schwedische Trank aufgekommen, der darin bestand, daß man den armen, an Händen und Füßen gebundenen Menschen Schmutzwasser und Jauche in den Hals goß und auf den Leib trat, bis es wieder herauskam. Oder die Leute wurden über Feuer gelegt, in Backöfen gesteckt, Daumenschrauben wurden ihnen angesetzt und spitze Zacken unter die Fingernägel gestoßen, sie wurden geknebelt, gerädert und Scheußlichkeiten begangen, die sich nicht niederschreiben lassen. Die kommandierenden Generäle waren machtlos und alle Versuche, dem Unwesen zu steuern, ohne Erfolg.
Die Folge der unsäglichen Leiden war, daß die Landbevölkerung zur blutigen Selbsthilfe schritt. Zuerst bewaffneten sich die Drömlingsbauern, dann erhoben sich die um Salzwedel und im Calbischen Werder unter dem Freischulzen Stappenbeck von Jeetze und an der Biese, zuletzt waren die in und um Stendal und Tangermünde liegenden Truppen rings von aufständischen Bauern eingeschlossen. Sie bildeten Abteilungen zu Pferde und zu Fuß unter selbstgewählten Führern, warfen Verschanzungen auf oder benutzten alte Burgwälle und hatten von Mechau bis an die Biese eine Linie so stark besetzt, daß man sie nicht anzugreifen wagte. Unbarmherzig machten sie alle Marodeurs nieder, meist wurden sie in Flüssen, Teichen oder Sümpfen ertränkt, so wurden einmal unweit Tangermünde 9 Soldaten mitsamt einem Soldatenweibe in die mit Eis treibende Elbe geworfen. Während früher einzelne Reiter ganze Dörfer geplündert hatten, mußten jetzt ganze Kompagnien einer ergrimmten Bauerschaft weichen. Wiederholt wurde das Militär auf dem Marsche angegriffen, so daß es, auseinandergesprengt, selbst die Geschütze verlor. Unter diesen Umständen konnte sich die sächsisch-kaiserliche Armee in der Altmark nicht mehr halten und mußte sich nach anderen Winterquartieren umsehen. Marozin und Gallas brachen am 27. und 28. Dezember (6. u. 7. 1.) auf und sammelten das ganze Heer in Tangermünde, um die Elbe zu überschreiten. Aber der Versuch, eine Schiffbrücke zu schlagen, wurde durch einen starken Sturm vereitelt. Nun erreichte die Not den höchsten Grad. Die Reiter fütterten ihre ermatteten Pferde mit schwarzem, halbverfaultem Dachstroh, viele Häuser wurden eingerissen, um die Balken als Brennholz zu verwenden. Endlich am Neujahrstage (11. 1.) 1639 konnte die Armee mit Zurücklassung einer Anzahl Kranker über die Elbe gehen.
Baner brach im Januar 1639 aus Mecklenburg auf, ging bei Dömitz über die Elbe nach Bergen im Lüneburgischen, von dort hinter Salzwedel durch in das Erzstift Magdeburg. Als die Schweden bei Gardelegen vorüberzogen, sendete Baner den Obersten Pfuhl ab, mit dem Auftrage, sich der von dem brandenburgischen Obersten Wilhelm Wrangel besetzten Stadt zu bemächtigen. Dieser hatte aber seine Leute auf den Windmühlenberg hinausgeführt und sie überredet, der schwedischen Sache beizutreten. Als nun Pfuhl ankam, trat er mit allen seinen Leuten zu ihm über. Gardelegen wurde von schwedischen Reitern besetzt, vier Kompagnien lagen in der Stadt selbst, eben soviel auf der Burg Isernschnibbe und den nächstliegenden Dörfern, unter dem Befehle des Obersten Strichk. Der gegen sie ausgesandte Oberst von Rochow konnte nichts ausrichten, die Besatzung blieb bis 1650 und bezog ihren Unterhalt natürlich aus dem Lande. Die monatliche Kontribution betrug gegen 3000 Taler. Nach einer vorliegenden Rechnung vom Monat August betrug sie 2558 Tl. 9 Gr. dazu steuerte die altmärkische Ritterschaft 954 Tl. 9 Gr. Stendal 419 Tl., Salzwedel 162, Gardelegen 232 ¾, Seehausen 156 ¾, Tangermünde 218 ½, Werben 96 und das von den Einwohnern fast ganz verlassene Osterburg nur 19 Tl. Außerdem wurden 150 Tl. Servis aufgebracht, nämlich 75 von der Ritterschaft, 37 ½ von Stendal, 15 von Seehausen und 22 ½ von Tangermünde. Der Oberst Strichk wurde im Dezember 1639 durch den Obersten Joachim Kehrberg ersetzt, der am 16. (26.) August 1641 von dem Obersten von Platen vor dem Stendaler Tore im Zweikampf erstochen wurde. Platen wurde, weil er zu dem Duell genötigt war, von dem Kriegsgericht freigesprochen. Der Leichenstein Kehrbergs (Karbergks) befindet sich noch in der St. Marienkirche zu Gardelegen.
Im Jahre 1640 blieb die Altmark von Durchzügen größerer Heere verschont. Zwei Kompagnien schwedischer Reiter lagen kurze Zeit in Salzwedel, kamen am 19. (29.) März nach Stendal und blieben auch hier nur wenige Tage. Bei ihrem Abzuge brannten sie den Milternschen Tannenbusch am Wege nach Tangermünde nieder. Am 9. (19.) April zog der schwedische Major Lukas Schröter durch Tangermünde, am 14. (24.) April folgte ihm der Hauptmann Gröningk. Nach Werben sendete in dieser Zeit der kurfürstliche Statthalter Graf Dietrich von Schwarzenberg 150 Reiter mit dem Auftrage, die Mauern der Stadt niederzureißen, damit sie nicht zur Deckung einer feindlichen Armee dienen könnten. Die äußere Mauer wurde mit Winden und Schrauben umgestürzt, in die zweite Mauer waren schon Löcher eingehauen, als ein Gegenbefehl eintraf. Da wegen der starken schwedischen Kontribution die Abgaben für die brandenburgischen Truppen und die Erträge der Kriegsmetze nicht eingingen, verfügte Schwarzenberg die Exekution. Die Truppen, vier Kompagnien Reiter und zwei Kompagnien Dragoner unter den Obristen Volgmann und Lütke, kamen über Werben am 14. (24.) Oktober in Stendal an. Um gegen einen Angriff der Schweden geschützt zu sein, verschanzten sie sich, verstärkten die Türme und Tore und errichteten Palisaden aus den Balken niedergerissener Häuser. Am 30. November (10. 12.) zogen die „bösen brandenburgischen Gäste“, durch Fußvolk verstärkt, nach Tangermünde. Als aber der schwedische Oberst Karl Ruth mit 3000 Mann aus dem Fürstentum Halberstadt heranrückte, gingen sie über die Elbe zurück, nachdem noch die in der Stadt versammelten Landstände eine Forderung von mehreren tausend Talern hatten bewilligen müssen.
In der Burg von Tangermünde blieb eine schwache Besatzung von 70 Musketieren und 34 Reitern zurück. Obwohl der Kommandant, Hauptmann Temler, keine Artillerie hatte, beschloß er doch, sich gegen die Schweden zu verteidigen. Er ließ mehrere Häuser auf der Schloßfreiheit abbrechen, die Befestigungen verstärken und die Torflügel der Stadt ausheben, um so tags, so nachts zu erfahren, was in der Stadt vorginge. Ehe er noch seine Arbeit beendigt hatte, waren die Schweden über Wolmirstedt herangezogen. Eine Abteilung erschien am 15. (25.) Dezember vor dem Tangermünder Tore in Stendal und forderte Einlaß, aber ein von Gardelegen gekommener schwedischer Regimentsquartiermeister, der mit einem Reiter nach Tangermünde ritt, stellte fest, daß der Oberst Ruth die Besetzung von Stendal nicht befohlen hatte, so daß die Stadt von der Einquartierung befreit blieb. Die Schweden beschossen nun die Tangermünder Burg mehrere Tage mit grobem Geschütz und fingen an, sie zu unterminieren. Als Temler den erwarteten Ersatz nicht erhielt, kapitulierte er; die Mannschaft wurde kriegsgefangen, die vier Offiziere wurden entlassen. Es ist nicht genau bekannt, wie lange die Belagerung gedauert hat, den einzigen Anhalt gibt die Leichenpredigt für den Amtsschreiber Johann Lange, der am 15. (25.) Dezember 1640 auf dem damals belagerten Schlosse gestorben und am 23. Dez. (2.1.) in der St. Stephanskirche begraben ist. Wahrscheinlich hat also die Belagerung vom 14. (24.) bis 21. (31.) Dez. gedauert. Nach der Einnahme wurde das Schloß vollständig geplündert und angesteckt. Bis auf zwei Türme, die Kanzlei und die Ringmauer brannten sämtliche Gebäude nieder. Besonders zu beklagen ist die Vernichtung der berühmten Schloßkapelle S. Johannis bapt. et evang., welche Kaiser Karl IV nach dem Muster der St. Wenzelskapelle im St. Veit-Dom zu Prag erbaut hatte. Die inneren Wandflächen der Kapelle hatten eine musivische Täfelung von böhmischen Edelsteinen, wie solche noch heute in jener Wenzelskapelle in Prag und in der h. Kreuzkapelle auf der Burg Karlstein zu sehen ist. Diese eigentümliche Ausstattung, die sich nur in vereinzelten Beispielen findet und stets auf Karl IV und sein Zeitalter zurückweist, ist wahrscheinlich von italienischen Künstlern, welche der Kaiser herbeigezogen hatte, ausgeführt. Bei der vor mehreren Jahren angestellten Nachgrabung, welche die Fundamente der Kapelle bloßgelegt und ihre Lage vor der Westfront des Hauptgebäudes festgestellt hat, wurden von dieser Wandbekleidung nur geringe Reste gefunden, die dem altmärkischen Museum in Stendal überwiesen sind. Die Schweden zogen nach der Zerstörung der Burg wieder nach Halberstadt ab. Während der kurzen Belagerung hatte die Stadt schwer zu leiden, namentlich fehlte es an Brennholz, weshalb viele Häuser niedergerissen wurden. Da es auch an Unterkommen für die Pferde fehlte, wurde ein Teil derselben in Wohnhäusern untergebracht. An Kontribution an die schwedischen Truppen, an Goldacker in Werben, an den Oberst Volgmann und an den Hauptmann Temler hatte die Stadt 4644 Gulden zu zahlen, außerdem 451 Gulden 2 Schillinge 8 Pfennige an Exekutionsgebühr.
Das Jahr 1641 brachte der schwer geprüften Landschaft einige Erleichterung. Der große Kurfürst, der nach dem am 21. November (1. 12.) 1640 zu Königsberg erfolgten Tode seines Vaters die Regierung übernommen hatte, schloß am 14. (24.) Juli 1641 in Stockholm durch seine Gesandten einen Waffenstillstand mit den Schweden auf zwei Jahre, wonach die Altmark, mit Ausnahme von Gardelegen und einigen festen Plätzen, von den Schweden geräumt werden sollte. Die Werbener Schanze, die so viel Unheil über das Land gebracht hatte, ließ der Kurfürst durch den Hauptmann Stranz schleifen. Dazu wurden alle Bauern aus der Umgegend aufgeboten und in 14 Tagen war die am 23. Juli (2. 8.) begonnene Arbeit vollendet.
Die Kaiserlichen, welche die Stifter Magdeburg und Halberstadt besetzten, hatten ihre Truppen bis Oschersleben und Wolfenbüttel vorgeschoben, von hieraus streiften starke Parteien durch die Altmark. Aber das Bauerndorf setzte sich jetzt allerorten zur Wehre. In mehreren Gegenden hatten sich die Bauern vollständig militärisch organisiert, namentlich im Stendaler Bezirk, wo der Landreiter Lorenz Bundsche das Kommando führte; wichtige Pässe an der Biese, die deetzer Warte zwischen Stendal und Gardelegen und die steinerne Brücke über den Tanger bei Bölsdorf hatten sie besetzt. Den letzteren Paß, der die große Straße nach Magdeburg sperrte, hatten sie am 28. Mai (7. 6.) offen gelassen und waren nach Tangermünde gezogen. Bei der Rückkehr wurden sie von 100 Kürassieren, welche unvermutet durch den Paß gedrungen waren, auf freiem Felde überfallen und niedergehauen. Im Juli drangen noch einmal kaiserliche Reiter bis in den Stadtbusch von Tangermünde vor und trieben die ganze aus mehreren hundert Schweinen bestehende Stadtherde fort.
Im Jahre 1642 begann die Not von neuem. Im Januar lag der schwedische Feldmarschall Torstenson, der nach Baners Tode das Kommando der schwedischen Armee übernommen hatte, im Braunschweig-Lüneburgischen. Da die Quartiere nicht ausreichten, beschloß er 60 bis 70 altmärkische Dörfer zu belegen und erbot sich, Salvegarden zu stellen, aber „die Landleute und Bauern erzeigten sich sehr mutwillig und widerwärtig und nahmen ihrer nur etliche wenige die angebotenen Salveguardien an, der größte Teil verachtete selbige und sagte, sie wollten sich selbst versichern und salveguardieren.“ Sie suchten Schutz im Drömling und anderen Morästen und griffen, wo sie konnten, die Schweden an. So raubten sie bei Rohrberg schwedischen Offizieren 15 Pferde, 2 Rüstwagen und Bagage; in Schadewohl wurden Leute des Generalmajors Wrangel in der Nacht überfallen und ihnen viele Pferde genommen, auch in Reddigau wurden Truppen des Generalmajors Pfuhl überfallen. Infolge dessen erließen am 12. (22.) Januar die Landkommissare der Altmark eine Verordnung, wonach diese Angriffe mit Bezug auf den Waffenstillstand bei hoher Strafe untersagt wurden.
Torstenson rückte, nachdem er sich von einer Krankheit erholt hatte, nun selbst in die Altmark ein, am 22. Januar (1. 2.) brach er von Wittingen auf und erreichte Wallstawe, am 23. (2. 2.) hielt er in Salzwedel seinen Einzug. Quartier nahm er in der Vorstadt Perver, die Armee blieb zunächst auf der lüneburgischen Seite, aber die Garnison von Gardelegen wurde verstärkt. Nach einigen Tagen besetzte der General Königsmark die Pässe Wolfsburg, Öbisfelde und Vorsfelde, nahm bei Apenburg Stellung und schickte starke Abteilungen zum Rekognoszieren aus. Torstenson selbst war in Salzwedel geblieben. Hier stellte sich im Namen des kurfürstlichen Statthalters, des Markgrafen Ernst von Brandenburg, der Hof- und Kammergerichtsrat Otto von Schwerin mit einem Kreditiv vom 18. (28.) Januar vor, in dem gegen die Besetzung der Altmark Einspruch erhoben wurde; sollte die schwedische Armee nicht abmarschieren, so würde man es als Bruch des Waffenstillstandes ansehen. Torstenson entschuldigte den Einmarsch durch die Raison des Krieges, beklagte sich, daß während der Traktaten die Werbener Schanze geschleift und damit der darauf bezügliche Passus des Vertrages hinfällig geworden sei, auch könne er ohne sonderbaren Befehl der Königin keine Änderung eintreten lassen.
Auf die Nachricht von Torstenson’s Vorgehen drangen die Kaiserlichen ebenfalls in die Altmark ein unter dem Generalissimus Erzherzog Leopold Wilhelm, dem Bruder des Kaisers Ferdinand III., und den Generälen Octavio Piccolomini und Jean de Wahl. Am 26. Januar (5.2.) besetzten 70 Reiter das Dorf Röxe bei Stendal, sie wurden von der Stadt aus verpflegt. Am folgenden Tage rückte der Erzherzog mit seinem Stabe und einer starken Truppenmacht in Tangermünde ein und blieb bis zum 4. (14.) Februar. Am 31. Januar (10.2.) stellten er und Piccolomini von hier aus zwei Salvegardenbriefe für die Stadt Werben aus. In Stendal wurde der Oberst Wolf mit einem Regimente Fußvolk einquartiert. Auf die Kunde von dem Anmarsch der Kaiserlichen ließ Torstenson sein Arme mit der ganzen Artillerie von Salzwedel nach Arendsee gehen, dabei waren der Reichszeugmeister Lillie Hök und die Generäle Wrangel und Montaigue. Königsmark blieb längs der Milde und Biese von Gardelegen bis Osterburg und Seehausen. Gegen das Zentrum seiner Stellung bei Osterburg gingen die Kaiserlichen zuerst vor. Ehe Königsmark die Brücke abbrechen konnte, waren die Kroaten in die Stadt gedrungen, wurden aber von 500 Reitern herausgeworfen. Nun ging der Graf Bruay mit dem linken Flügel vor und trieb die Schweden wieder heraus. Er zerstörte darauf selbst die Brücke und ließ die Stadt von zwei Dragonerregimentern besetzen. Königsmark ging auf Torstensons Befehl nach Apenburg zurück, während Wrangel mit vier Brigaden finnischen Fußvolks gegen Osterburg vorrückte. Auf Flößen setzten die Finnen am 1. (11.) Februar über den Fluß und drangen in die Stadt ein. Die Kaiserlichen flüchteten. Bei diesen Kämpfen wurde das unglückliche Osterburg zum vierten Male geplündert, man berechnete den Schaden auf 15000 Taler. Die noch vorhandenen Bürger verließen bis Ostern die Stadt, welche nun von schwedischer Artillerie besetzt wurde. Die übrige Armee lag zwischen Seehausen und der Elbe, in der Wische; in dem äußersten Winkel der Altmark zwischen Elbe und Aland lag der Oberst Stenbock mit 400 Fußknechten und einiger Reiterei.
Unbekümmert um das Vorrücken der Feinde war Torstenson in Salzwedel geblieben. Am 3. (13.) Februar hielt er auf dem Rathause ein Kriegsgericht über den Obersten von Seckendorf, der mit dem Kaiser konspiriert hatte und dessen verräterisches Schreiben, daß sein Trompeter in Apenburg verloren hatte, von einem Hunde aufgefunden war. Auf Grund der Pharagraphen 70 bis 79 der schwedischen Kriegsartikel (Traktieren mit dem Feinde — Briefwechsel) wurde Seckendorf zum Tode durch das Schwert verurteilt, die Hinrichtung alsbald vollzogen und die Leiche in der Kirche des alten Franziskanerklosters (Mönchskirche) beigesetzt. Torstenson sorgte für Frau und Kinder des Gerichteten.
Unterdessen knüpfte der Erzherzog, der die Pässe über die Biese mit Gewalt nicht gewinnen konnte, mit den dort stehenden Bauern Unterhandlungen an. Der Schulze von Groß-Rossau, dessen man sich mit List bemächtigt hatte, wurde vor den General Jean de Wahl geführt, der ihn verhörte. Er gab dem General scheinbar gute Ratschläge und bezeichnete einen geeigneten Weg. Mit einem Goldstücke wurde er belohnt und mit einem Passierschein entlassen. Als er zu den Seinen zurückkam, verstärkte er die Stelle, wo die Kaiserlichen durchbrechen sollten und benachrichtigte Königsmark, der zwei Reiterregimenter sendete, die mit den Bauern vereinigt auf die Kaiserlichen einhieben und sie zur Rückkehr zwangen. Nun ging der Erzherzog mit seinen Truppen am 4. (14.) Februar über die Elbe. Die Schiffsbrücke war in Magdeburg verfertigt und herangefahren. Bei der starken Einquartierung hatte Tangermünde sehr gelitten. In der Vorstadt Hühnerdorf lagen allein acht Regimenter. Nach Ritter sollen wegen des großen Holzmangels aus der Allerheiligenkirche des Dominikanerklosters in der Neustadt die starken Dachbalken herausgesägt sein, infolge dessen bald darauf ein Sturm das Dach eindrückte und die Gewölbe stark beschädigte. Auch mehrere Tausend Obstbäume in den Gärten vor der Stadt wurden abgehauen und fünf Windmühlen eingerissen. Während der kaiserlichen Einquartierung wurde in der St. Stephanskirche von „Jesuiten und Meßpfaffen“ katholischer Gottesdienst gehalten.
Die Kaiserlichen beabsichtigten zuerst nach Mecklenburg zu ziehen, aber bei der Unmöglichkeit, in dem ausgezogenen Lande Proviant aufzutreiben, wendeten sie sich südwärts auf Zerbst. Am 23. Februar (5. 3.) versuchten sie zwischen Barby und Aken über die Elbe zu setzen, aber der Sturm zerriß die Schiffsbrücke beim Übergang und der Rest mußte nach Wittenberg ziehen, um dort auf fester Brücke den Strom zu überschreiten. Dieser Marsch und der verunglückte Übergang soll der Armee allein einen Verlust von 6000 Pferden verursacht haben. Die Kaiserlichen wendeten sich nun nach Thüringen und Franken. In Tangermünde war eine Besatzung von 1000 kaiserlichen Musketieren zurückgeblieben. Diese wurden von Torstenson garnicht beachtet; er lag noch eine Weile still, weil er krank war und Proviant von Hamburg erwartete. Am 14. (24.) Februar rückten drei Schwadronen kurländischer Reiter unter dem Obersten von Bellinghausen und den Rittmeistern Fritzleben und Reichwald in Stendal ein. Am 21. (31.) März zog endlich Torstenson von Salzwedel über Arendsee und Seehaufen nach Werben. Nachdem die aufgeschlagene Schiffsbrücke zweimal zerbrochen war, begann am 26. März (5. 4.) nachmittags der Übergang, der am folgenden Tage vollendet wurde. Torstenson zog durch das Land Jerichow, erreichte am 30. März (9. 4.) Ziesar, am 4. (14.) April Jüterbogk und zog von hier aus über Luckau durch die Lausitz nach Schlesien. Er unternahm dann feinen kühnen Zug nach Mähren, eroberte Olmütz und streifte bis vor Wien. Zurückgedrängt wendete er sich nach Sachsen und schlug die Kaiserlichen bei Leipzig. An der Elbe und in der Altmark waren an den wichtigsten Plätzen, in Hitzacker, Bleckede, Wolfsburg und Gardelegen schwedische Besatzungen zurückgeblieben unter dem Befehle des Obersten Tobias Duwald in Gardelegen. Dieser war schon nach Kehrberg's Tode Kommandant in Gardelegen geworden, hatte in der Stadt große Magazine angelegt und das Magdeburger und Salzwedeler Tor befestigt.
Im Jahre 1643 hatte die Altmark wieder etwas Ruhe, da der Kriegsschauplatz zunächst im Süden war. Im April kam der Kanzler Oxenstierna durch Tangermünde, requirierte aber nur ein Pferd zum Vorspann. Vom 12. (22.) bis 16. (26.) Juli war er in Stendal, vom 25. Juli (4. 8.) bis 17. (27.) August in Salzwedel. Am 24. Juli (3. 8.) erfolgte in Stendal die Huldigung der altmärkischen und priegnitz'schen Städte für den großen Kurfürsten. Der Festgottesdienst fand in der St. Marienkirche, die Huldigung auf dem Rathause statt. Der Kurfürst wohnte im Brauergildehaufe. Nach der Huldigung empfing er das übliche Geschenk, einen großen Pokal nebst Gießkanne von vergoldetem Silber. Zu den Kosten der Feier hatte Tangermünde 209 Gulden 1 Schill. 2 Pf. beigetragen. Dafür war der Stadt die kurfürstliche Urbede erlassen. Nachdem der Kurfürst noch einen Streit der Ritterschaft mit den Städten wegen der Repartition der Kriegssteuern geschlichtet hatte, verließ er Stendal am folgenden Tage. An den Obersten Duwald, sowie zum Unterhalt der brandenburgischen Truppen hatte Tangermünde in diesem Jahre 6105 Gulden 17 Schill. 1 Pf. und Exekutionsgebühr 622 Gulden 10 Schill. 8 Pf bezahlt. Im Dezember zog Torstenson, um den dänischen König für seine Parteinahme für den Kaiser zu züchtigen, auf dem rechten Elbufer nach Holstein, am 6. (16.) Dezember passierte er Havelberg, seine Truppen berührten die Altmark nicht.
Im Jahre 1644 rückte zum letzten Male eine kaiserliche Armee in die Altmark ein. Am 24. (4. 7.) Juni legte der kaiserliche General Gallas sein Hauptquartier nach Tangermünde. Bei dieser Gelegenheit wurde das fast reife Getreide auf dem Stadtfelde einfach zertreten. Der Aufenthalt des Hauptquartiers kostete für die Stadt allerdings nur 488 Gulden 10 Schill., aber an Kontribution für Duwald und für die brandenburgischen Regimenter Alt-Burgsdorf, Trott und Ribbeck mußte sie 5096 Gulden 23 Schill., außerdem an Exekutionsgebühr 581 Gulden 12 Schill. 11 Pf. zahlen. Am 27. Juni (7. 7.) zog Gallas nach Arneburg und ging am folgenden Tage über die Elbe, die Nachhut von 300 Kroaten passierte Stendal erst am 30. (10. 7.) Gallas wurde an der Eider von Torstenson zurückgeworfen und nahm seinen Rückmarsch wieder durch die Altmark. Am 24. August (3. 9.) kam er nach Osterburg und blieb dort zwei Tage, dann verlegte er sein Hauptquartier nach dem Dorfe Borstel bei Stendal, wohin ihm aus der Stadt Lebensmittel geliefert werden mußten. Während dieser Tage wurde Osterburg wieder von drei Kroatenregimentern vollständig ausgeplündert. Es war die fünfte Plünderung der unglücklichen Stadt während der Kriegszeit. Der Verlust von Getreide und Vieh wurde auf 6950 Taler berechnet. Am 30. August (9. 9.) zog Gallas durch Stendal nach Magdeburg ab. Sein Durchmarsch dauerte vom Morgen bis Nachmittag.
Die Altmark wurde seither nicht mehr von den kriegführenden Parteien heimgesucht, sie fing an sich unter der gerechten und wohlwollenden Regierung des großen Kurfürsten zu erholen, zumal im Jahre 1647 die Ernte so günstig ausgefallen war, daß der Preis eines Scheffels Roggen auf 8 Groschen sank. Freilich hörten die Zahlungen für die Truppen nicht auf. In den Jahren 1646 bis 1648 zahlte Tangermünde allein an schwedischer und brandenburgischer Kontribution 28849 Gulden 21 Schill. 2 Pf. und an Exekutionsgebühr 1756 Gulden 18 Schill. 11 Pf., im Jahre 1649 an Kontribution 5831 Gulden 12 Schill. 4 ½ Pf., wovon der schwedische Oberst Lars Kruse, der mit seinem Regimente vom 5. (15.) Januar bis 9. (19.) Oktober in Stendal lag 2843 Gulden, 15 Schill. 10 Pf. erhielt, die Exekutionsgebühr betrug 310 Gulden 15 Schill. 4 Pf. Außerdem wurden den durchreisenden höheren Offizieren, z. B. Axel Lilie, Königsmark und Wrangel, Verehrungen gereicht, die meist in Fischen, namentlich Lachs, Schnäpel und Neunaugen bestanden. Der schwedische Oberst Arnheim ließ sich ein Faß Zerbster Bier verehren, Lars Kruse folgte seinem Beispiel. Am 9. (19.) Oktober zog der letztere von Stendal ab, die schwedischen Munitionsvorräte wurden in Tangermünde auf Schiffe geladen und nach Dömitz gefahren. Die Besatzung unter Duwald zog erst am 10. (20.) August 1650 ab. Darauf wurde am 6. (16.) November das allgemeine Friedensfest im ganzen Kurfürstentum und besonders in der Altmark mit großem Jubel gefeiert.