Vorwort.
Für die Darstellung des dreißigjährigen Krieges in der Altmark kommen außer den bekannten großen Werken über den Krieg hauptsächlich die Arbeiten der Lokalhistoriker dieser Landschaft inbetracht. In erster Linie steht das altmärkische Geschichtsbuch des Bürgermeisters Andreas Ritner. Der Vorzug dieses Historikers ist, daß er für den Anfang (1626) und den letzten Teil der Kriegsjahre (1637 bis 1648) die Berichte eines Augenzeugen gibt. Da er jedoch sein Werk erst in späteren Jahren aus der Erinnerung niedergeschrieben hat, so laufen manche Irrtümer unter, auch fehlt ihm zuweilen der Einblick in die allgemeinen Verhältnisse. Bekmann bringt in seiner Geschichte der Chur und Mark Brandenburg bei den einzelnen Städten teils nur dürftige Notizen, teils Auszüge aus Ritner, der auch den späteren Lokalhistorikern als Gewährsmann dient. Von den Schicksalen Stendals gibt Götze in seiner urkundlichen Geschichte der Stadt eine zuverlässige Schilderung. Aus den übrigen altmärkischen Städten finden sich nur wenige und zerstreute gedruckte Nachrichten, dagegen enthalten die Archive und Kirchenbücher der Städte eine Fülle lokaler Mitteilungen, die es ermöglichen, ein ziemlich klares Bild der kriegerischen Ereignisse in der Altmark zu zeichnen. Diese sind wichtig genug, eine zusammenhängende Darstellung zu rechtfertigen, denn ohne Zweifel ist die verunglückte Invasion der Dänen im Jahre 1626 von großer Bedeutung für den weiteren Verlauf des Krieges gewesen. Noch wichtiger in seinen Folgen war der Zusammenstoß Gustaf Adolfs mit Tilly in der Altmark. Der erfolglose Angriff auf das verschanzte Lager des Königs bei Werben und Tillys verlustreicher Rückzug nach Sachsen haben, — was freilich in den großen Geschichtswerken über den dreißigjährigen Krieg meistens nicht genug hervorgehoben wird, — den ruhmvollen Sieg der schwedischen Waffen in der Schlacht von Breitenfeld wirksam vorbereitet. Die spätere Kriegsgeschichte war für die Altmark eine Leidensgeschichte ohnegleichen, bis endlich, wie es wiederholt in der altmärkischen Geschichte geschehen ist, das auf das äußerste gereizte Landvolk die Waffen ergriff, um die heimatliche Scholle von der entarteten Soldateska zu befreien. Entsetzlich aber war die Verwüstung des Landes, deren Spuren auch heute noch nicht völlig verwischt sind. Der erhebliche Reichtum der Städte war ebenso wie die Wohlhabenheit des platten Landes vernichtet, die Bevölkerung um zwei Drittel vermindert. Unerschüttert blieb in aller Not die treue Liebe zum evangelischen Bekenntnis und zum angestammten Herrscherhause, die von jeher den altmärkischen Volksstamm ausgezeichnet hat.