I. Die Dänen in der Altmark. 1626.

Auf Andrängen der Stände des niedersächsischen Kreises hatte der von ihnen zum Kriegsobersten gewählte Dänenkönig Christian IV., nachdem die Verhandlungen mit den Kaiserlichen sich zerschlagen hatten, seine Armee vorrücken lassen. Am 1. Februar (11. neuen Stils) 1626 befand sich das königliche Hauptquartier zu Rotenburg an der Wümme in der Landdrostei Stade. Der linke Flügel der dänischen Armee lag von Bardowiek bis Dannenberg mit dem Hauptquartier Uelzen unter dem Oberbefehle des Johann Philipp Fuchs von Birnbach zu Möhren, Alt-Rechenberg und Schwaningen, Ritter, Oberst und der königlichen Majestät zu Dänemark und Norwegen General d’Infanterj et Artiglerj. Jenseit der Elbe stand Graf Ernst von Mansfeld. Nach dem vom Könige festgesetzten Operationsplane sollte Fuchs auf dem linken Elbufer gegen die Kaiserlichen vorgehen. Da diese nach dem Siege des Herzogs Albrecht von Sachsen-Lauenburg über den Administrator des Erzbistums Magdeburg Christian Wilhelm bei Jüterbogk, auch den Jerichowschen Kreis besetzt hielten, sollte Mansfeld mit seinen neuangeworbenen Soldaten von Lauenburg aus durch die Priegnitz auf dem rechten Elbufer vordringen. Durch diesen Plan wurde die Besetzung der neutralen brandenburgischen Länder notwendig. Der König richtete daher von Rotenburg aus ein Schreiben an den Kurfürsten Georg Wilhelm, in welchem er anzeigte, daß er die altmärkischen Städte Gardelegen, Salzwedel, Stendal und Tangermünde, die unbesetzt wären und daher dem Feinde leicht in die Hände fallen könnten, besetzen müsse. Er versprach Disziplin zu halten und verpflichtete sich, wenn der Kurfürst die Städte selbst besetzen wolle, sie zu jeder Zeit zu räumen. Der Kurfürst mochte diesen Schritt vorausgesehen haben, denn er hatte schon vorher 300 Mann abgesendet, um Gardelegen zu besetzen. Diese Truppen passierten bereits am 31. Januar (10. 2.) Tangermünde, das ergibt sich aus einer Bemerkung der Kämmereirechnung von 1626, wonach 13 fl. 4 Pfg. für 3 Kessel Bier ausgegeben wurden, welche den Wächtern verehrt wurden, „als sie am 31. Januar, da die 300 Soldaten allhier gewesen, Wache halten mußten.“

Fuchs marschierte in der Tat auf Gardelegen. Aber am 2. (12.) Februar waren die Brandenburger unter dem Hauptmann Martin von Schwedt bereits eingerückt, hatten die Stadt unter Beihülfe der Bürgerschaft in Verteidigungszustand gesetzt und die Umgebung des Stadtwalles auf 300 Schritt rasiert. Als Fuchs vor der Stadt anlangte, wurden ihm die Tore gesperrt. Da der König die Direktive gegeben hatte, in dem neutralen Land Gewaltmaßregeln möglichst zu vermeiden, wendete er sich nordwärts und traf am 6. (16.) Februar in Beetzendorf ein. Seine Armee bestand aus Truppen der drei Reiterregimenter Bernhard von Weimar, Bernhard Geist und Baudissin von ungefähr 1000 Pferden und den beiden Regimentern Fußvolk der Obersten Oppen und Linstow, ungefähr 1100 Mann stark. Von Beetzendorf aus richtete Fuchs an den Rat von Salzwedel das schriftliche Verlangen, ihm die Stadt offen zu halten, da er den Paß, d. h. die Verbindung nach Lüneburg haben müsse. Die Antwort des Rates ist nicht bekannt, doch hat sie ohne Zweifel unter Berufung auf die Neutralität Brandenburgs ablehnend gelautet. Am 15. (25.) Februar erschien der Oberst Wilhelm von Lohausen mit 600 Mann Fußvolk und sechs Mörsern vor den Toren, die von dem Rate widerwillig geöffnet wurden. Der König erklärte dem Rate, daß er ihn bei dem Kurfürsten schon entschuldigen wolle, dem er ja die notwendige Besetzung der altmärkischen Städte angezeigt habe. Auf ein zweites Schreiben, welches der König damals nach Berlin sendete, antworteten der Kanzler und die kurfürstlichen Räte mit der Bitte, dem General Fuchs und dem Grafen Mansfeld, „welche ohne einige Begrüßung des Kurfürsten ins Land gezogen seien“, den Befehl zur sofortigen Räumung zu erteilen. Aber der Vormarsch der Dänen wurde dadurch nicht aufgehalten. Fuchs zog nach Calbe an der Milde und richtete das dortige Schloß zum Munitionsdepot und Proviantmagazin ein. Von da zog er, Stendal beiseite lassend, auf Tangermünde.

Am Freitag vor Estomihi, den 17. (27.) Februar, Abends zwischen 5 und 6 Uhr erschienen, ohne daß die Tangermünder etwas ahnten, die Dänen auf zwei Seiten der Stadt. Die Tore wurden sofort geschlossen und die Bürgerschaft, durch Trommelschlag zusammengerufen, besetzte, zur Gegenwehr entschlossen, die Mauern und Türme. Aber der Oberst Linstow brach durch ein an der Stadtmauer stehendes Bürgerhaus an der Topfergasse, öffnete das Hühnerdorfer Tor und zog mit seinem Regimente in aller Stille ohne Spiel nach dem Markte, da verließ die Bürgerschaft die anderen Posten und „begab sich in ihre Häuser in Hoffnung und Furcht und ward also die ganze Stadt des Abends um 7 Uhr geöffnet.“ In der ersten Nacht lagerten die Soldaten auf den Straßen der Stadt, der Rat mußte eine große Menge Holz für die Wachtfeuer anfahren lassen. Am folgenden Tage wurden die Truppen bei den Bürgern einquartiert; da sie 3000 Mann zählten, also ziemlich soviel als die Einwohnerschaft, wurden sie natürlich „haufenweise“ in die einzelnen Häuser gelegt. Das Verhältnis zur Einwohnerschaft war ein höchst unfreundliches. Schon bei dem Einmarsch in die Altmark hatten die Dänen erfahren, daß man sie als ungebetene Gäste ansah. Nur der Uebermacht weichend nahmen die Städte die Einquartierungen auf. Sowohl von den Stadtobrigkeiten wie vom Landadel wurde jede Gemeinschaft zurückgewiesen. Fuchs, dem vom Könige die größte Schonung anbefohlen war, befand sich darum in einer üblen Lage. Natürlich erbitterte der passive Widerstand der Bevölkerung die Soldaten und die Offiziere waren wenig geneigt, den Klagen der bedrängten Einwohner nachzugeben. Die Soldaten ließen sich die größten Ausschreitungen zu schulden kommen. Ritner erzählt als Augenzeuge, daß die Soldaten die Speisen den Wirten an die Köpfe und die Butter an die Wände geworfen hätten. Schlimmer ging es auf den Dörfern zu, die Soldaten eigneten sich an, was ihnen gefiel, selbst vor den Kirchen ihrer Glaubensgenossen hatten sie keine Scheu, so wurde z. B. in der Kirche zu Calberwisch der Gotteskasten erbrochen und das Opfergeld geraubt.

Tangermünde wurde der Sammelpunkt der dänischen Armee, von hier aus wurde Arneburg besetzt und eine Abteilung von 600 Mann unter dem Obristlieutenant Frenking nach Osterburg gelegt, auch Kloster Dambeck gegen den Widerspruch Leopolds von der Schulenburg mit 50 Mann besetzt. Schwieriger war die Besetzung von Stendal. Am Sonntage Estomihi, den 19. Februar, (1. 3.) erschien Fuchs vor den Toren der Stadt und verlangte die Aufnahme einer Besatzung. Der Rat lehnte das Verlangen ab, die Geschütze wurden auf den Stadtwall geführt, der von den Bürgern besetzt wurde. Am folgenden Tage kam Fuchs in Begleitung des Obersten Philipp Lippe und verlangte eine Unterredung. Der Bürgermeister M. Andreas Büne vom neuen, und Karl Flecke vom alten Rate gingen unter Begleitung bewaffneter Bürger hinaus und die Unterredung fand bei dem St. Georgshospitale vor dem Ünglinger Tore statt. Da aber die Bürgermeister die Aufnahme einer Garnison wieder ablehnten, mußte Fuchs zunächst unverrichteter Sache abziehen, rückte aber am folgenden Tage, den 21. Februar, (3. 3.) mit einer starken Abteilung an die Lehmkuhle an der Gardeleger Straße. Seine Artillerie gab einen Schuß ab, das Geschoß durchschlug nur das Dach eines Hauses bei der St. Jakobikirche ohne weiteren Schaden anzurichten. Darauf zogen sich die Dänen auf die Dörfer zurück, die Bürger aber rückten zum Ünglinger Tor hinaus und zerstörten die Zäune und das St. Georgs-Hospital und den Kirchhof, damit die Feinde keine Deckung fänden. Beim Anbruch der Nacht steckten die Dänen die außerhalb der Stadt gelegenen Windmühlen, vier vor dem Unglinger und eine vor dem Tangermünder Tore in Brand. Die wachehaltenden Bürger antworteten durch einige Kanonenschüße, stellten aber auf Befehl des Rates das Feuern ein. Infolge erneuter Verhandlungen mit Fuchs entschloß sich der Rat endlich, eine Besatzung von drei Kompagnien aufzunehmen. Am 23. Februar (5. 3.) rückte sie unter dem Obersten Lippe, den Hauptleuten Protze und Mohr ein. Der Oberst Lippe starb am 19. (29.) März und wurde nach zehn Tagen in der St. Marienkirche beigesetzt, wo sein Grabdenkmal noch vorhanden ist. Der König entschuldigte die Einnahme der Stadt durch ein besonderes Schreiben an den Kurfürsten. Später wurde die Garnison noch verstärkt.

In Tangermünde war der Oberst Linstow zum Kommandanten bestellt, der die Stadt durch Brustwehren auf der Ringmauer, Palisaden, spanische Reiter, Blockhäuser und Schanzen befestigte. Zu dem Zwecke wurden in dem nahen schönen Stadtbusche einige Hundert starke Eichen geschlagen. Auch eine Schiffbrücke wurde unmittelbar bei der Stadt über die Elbe geschlagen. Die Arbeit am Brückenbau und das Holzfällen im Stadtbusche verursachte dem Rate ziemliche Kosten. Fuchs hatte die Absicht, nach Ankunft Mansfelds über die Elbe zu gehen und mit ihm nach Süden zu marschieren. Aber Mansfeld kam nicht vorwärts, er hatte bei Sandau nur 1000 Mann Fußvolk und 400 Reiter stehen und wartete täglich auf Verstärkung. Am 23. Februar (5. 3.) fragte Fuchs bei dem Könige an, ob er noch länger in der Altmark weilen solle und ließ des schon eintretenden Proviantmangels wegen die Regimenter Bernhard von Weimar und Baudissin über die Elbe gehen, also in das zum Stift Magdeburg gehörende Land Jerichow einrücken. Mansfeld befestigte von Havelberg aus Rathenow und ein Detachement unter dem Oberst Karpzow nahm Alt- und Neustadt Brandenburg ein. Nach den Dispositionen des Königs sollte nun Mansfeld von Brandenburg aus auf Zerbst operieren, Fuchs auf dem linken Elbufer vorgehen, und schließlich sollten beide einen gemeinsamen Vorstoß nach Süden unternehmen. Aber beide Feldherren litten an Munitionsmangel und ihre Artillerie befand sich in einem sehr unordentlichen Zustande. Mansfeld forderte darum vom Könige noch zwei Halbe- und zwei Viertelkarthaunen, während Fuchs auf Verstärkung seiner Artillerie durch Mansfeld rechnete.

Der Feind stand damals südlich der Ohre. An vorgeschobenen Posten lagen 5000 Mann in Wolmirstedt, 300 Mann in Rogätz und sechs Kompagnien Fußvolk mit drei Cornet Reiterei in Neuhaldensleben. Mansfeld wollte nun Fuchs mit seiner ganzen Macht über die Elbe ziehen, sich mit ihm bei Burg, welches Fuchs durch vorgeschobene Truppen besetzt hatte, vereinigen und durch das von feindlichen Truppen völlig entblößte Land auf dem rechten Elbufer nach Dessau ziehen. Auf diesen gewagten Plan mochte und konnte Fuchs nicht eingehen, er wollte vielmehr Wolmirstedt und die Ohrelinie zu gewinnen suchen und sich mit seinem rechten Flügel an Christian von Braunschweig und mit dem linken an Mansfeld anlehnen. Die Schiffsbrücke bei Tangermünde sollte die Verbindung erhalten. Fuchs wurde zu seinem Vorschlage durch die Erwägung bestimmt, daß er durch einen Elbübergang die altmärkischen Städte zu sehr von Besatzung entblößt hätte. Es scheint fast, als ob ein energisches Vorgehen überhaupt nicht in seiner Absicht gelegen hätte, denn er dachte daran, das Infanterieregiment Frenking und zwei Reiterregimenter aus der Altmark herauszuziehen und in das Lüneburgische zurückzuverlegen.

Infolge der Weigerung des Generals Fuchs auf seinen Plan einzugehen, entschloß sich Mansfeld, ihn allein zur Ausführung zu bringen. Er bat Fuchs, dessen Reiter von Tangermünde aus die Landschaft bis vor Rogätz und Wolmirstedt durchstreifen, Wallenstein festzuhalten und marschierte gegen Dessau vor, allerdings noch schwankend, ob er sich von dort aus nach Schlesien oder in das Stift Halberstadt wenden sollte. Die Avantgarde Mansfeld’s führte der Herzog Franz Karl von Lauenburg, der am 7. (17.) März noch vor Tagesanbruch die Stadt Zerbst mit sechs schwachen Kompagnien besetzte. Von der dänischen Armee war nur der Oberst Baudissin, der kurz vorher von Burg aus Loburg und Möckern besetzt hatte, mitgezogen. Sein Reiterregiment hielt vor den Toren von Zerbst, ohne in die Stadt einzurücken. Auf des Herzogs Bitte überließ er ihm zur stärkeren Besetzung der Stadt 100 Mann vom Frenkingschen Regiment, die aber ausdrücklich als Mansfeldsche Truppen erklärt werden mußten. Am 8. (18.) März war Baudissin bereits wieder in Loburg und schrieb an Fuchs um Verstärkung. Erst 11 Tage nach der Einnahme von Zerbst folgte der Oberstlieutenant Sterling mit dem Gros seiner Armee. Nur 1200 Mann blieben in Brandenburg zurück. In Burg, wohin Mansfeld zunächst über Altenplathow gekommen war, fand sich auch der Administrator von Magdeburg, der brandenburgische Prinz Christian Wilhelm, ein. Den Proviant bezogen die Truppen mit Einwilligung des Kurfürsten aus der Mark. Der rechte Flügel Mansfelds dehnte sich bis an die Elbe, Rogätz gegenüber, aus.

Inzwischen war Fuchs am 25. März (4. 4.) von Tangermünde aufgebrochen und nachdem er auch die drei Kompagnien aus Stendal herbeigezogen hatte, gegen Rogätz vorgegangen. Das feste Schloß war von 200 Mann vom Regiment des Grafen Schlick unter dem Befehle des Hauptmanns Beck besetzt. Fuchs ersuchte Mansfeld um Unterstützung, der nun seine Artillerie über den Strom hinüber nach Rogätz feuern ließ. Es wurde Bresche geschossen. Als aber der Kommandant die Aufforderung zur Übergabe unbeachtet ließ, begann die Kanonade von neuem. Endlich erklärte sich der Kommandant zur Übergabe bereit, wies aber die Forderung von Geiseln schroff zurück. Nun wurde das Schloß von Fuchs, der vier Mansfeldsche Geschütze über die Elbe geholt hatte, eng eingeschlossen und berannt. Am 27. März (6.4.) mußten sich die Kaiserlichen auf den Bergfried retten und das übrige arg zerschossene Schloß preisgeben. Ein katholischer Geistlicher ermunterte den Kommandanten zur verzweifelten Gegenwehr und drohte den schwankenden Soldaten, den Turm anzuzünden. Endlich gelang den Dänen der Sturm. In ihrer Erbitterung machten sie die ganze Besatzung, mit Ausnahme von zehn Verwundeten, nieder. Weil man glaubte, daß der „Meßpfaffe“ die Soldaten durch Zauberei kugelfest gemacht habe, erschlug man ihn mit Holzäxten, auch wird berichtet, daß man ihm noch lebend Riemen aus Rücken und Bauch geschnitten habe. Auch die Dänen hatten über 100 Mann und mehrere Offiziere verloren, außerdem hatten beide Generale an 70 Zentner Pulver verschossen, was ihnen bei ihrem Munitionsmangel sehr empfindlich sein mußte. Überhaupt hatte Fuchs zu wenig Artillerie zur Verfügung und die von Salzwedel herbeigerufenen Truppen mit zwei großen Geschützen und 60 Wagen Kriegsgerät passierten Stendal erst am 28. März (7.4.), können also bei der Beschießung nicht mehr mitgewirkt haben. Von Rogätz sendete Fuchs einen Rittmeister gegen Ottersleben bei Magdeburg und von dort ein Streifkorps von 150 Mann gegen Neuhaldensleben. Einen stärkeren Vorstoß nach Süden wagte er nicht, da die Straße durch das feste Wolmirstedt gesperrt wurde und dieses nicht gut umgangen werden konnte. Fuchs wollte nun Rogätz verschanzen und eine Brücke über die Elbe schlagen, um dadurch die Verbindung mit Mansfeld offen zu halten. Da aber bei beiden der Proviantmangel immer drückender wurde, beschloß Fuchs, gegen Wolmirstedt zu gehen; er forderte vom Könige Geschütz und Munition und stellte in Aussicht, nach der Einnahme von Wolmirstedt die festen Schlösser Erxleben und Hundisburg zu nehmen und in die Gegend der Bode und Saale vorzurücken, wo der König sich mit ihm vereinigen sollte. Der Plan wurde von Wallenstein vereitelt, welcher, um das von Christian von Braunschweig bedrohte Goslar zu retten, in der Richtung dorthin gezogen war und bereits Schladen erreicht hatte. Da gleichzeitig der auf dem Harze in und um Klaustal stehende Tilly sich anheischig machte, gleichfalls auf Goslar vorzugehen, so wich Christian, eine Vereinigung beider Armeen fürchtend, schleunigst zurück. Auf die Kunde von der Belagerung des Schlosses Rogätz wendete sich Wallenstein zurück und zog, im Vorbeimarsch die Schlösser Hötersleben, Sommerschenburg, Ummendorf und Altenhausen einnehmend, nach Wolmirstedt.

Am 31. März (10. 4.) gerieten die beiderseitigen Vortruppen aneinander. Fuchs mußte sich, von dem Kroatenobersten Hebron heftig verfolgt, auf Rogätz zurückziehen. Da er durch einen Gefangenen erfuhr, daß Wallensteins Armee 12 Regimenter Reiterei, ebensoviel Fußvolk und 10 Geschütze habe, ließ er seine Stellung in Rogätz im Stich, lud abends seine Artillerie auf Kähne und zog nach Tangermünde. Kaum eine Stunde nach seiner Ankunft brach schon die leichte Kavallerie des Feindes durch den Stadtbusch. Am folgenden Tage stellte Fuchs seine Streitkräfte, darunter 1500 Reiter auf dem Voßberge vor Tangermünde in Schlachtordnung und erwartete in dieser günstigen Stellung den Angriff des Feindes. Aber Wallenstein zögerte wegen der Ermüdung seiner Truppen, es kam nur zu kleinen Scharmützeln der beiderseitigen Reiterei, welche von einigen Bürgern der Stadt von den hohen Türmen aus angstvoll beobachtet wurden. Die Bürgerschaft wurde durch Trommelschlag bei Leib- und Lebensstrafe zum Schanzenbau vor der Stadt berufen. Aber die Tangermünder Bürger flohen, wie sie nur konnten, zu Wasser und zu Lande. Vielleicht wäre es schließlich doch noch zum Kampfe gekommen, wenn nicht Fuchs auf eine Magdeburger Kundschaft hin, daß Wallensteinische Truppen nach Schnackenburg marschieren, dort die Elbe überschreiten und ihn so von allen Verbindungen abschneiden wollten, seine Stellung aufgegeben hätte. Einen Teil seiner Truppen schickte er nach Stendal, ließ Osterburg durch Reiterei besetzen und ging selbst mit dem königlichen Leibregiment über die Elbe, pflanzte die Stücke am jenseitigen Ufer auf, mit der Absicht, die Stadt, falls sie von den Kaiserlichen besetzt würde, in Brand zu schießen. Wallensteins Truppen waren vollständig ermattet, seine Reiter waren über vierzig Stunden im Sattel gewesen, das Gros des Fußvolkes erst um Mitternacht eingetroffen. Er konnte zwar mit seinem ohne Blutvergießen erreichten Erfolgen zufrieden sein, dennoch erscheint es auffallend, daß der graße Feldherr nicht wenigstens in den nächsten Tagen den groben Fehler seines Gegners ausgenutzt hat. Ein Vorstoß auf Stendal hätte ohne Zweifel die dortigen dänischen Truppen zersprengt und den General Fuchs von der Verbindung mit dem Könige vollständig abgeschnitten. Wallenstein beschloß also zurückzugehen, vielleicht erfüllte ihn die Besorgnis, daß Mansfeld einen neuen Angriff auf die Schanzen bei Dessau unternehmen könnte. Er brannte daher die bei Tangermünde liegenden Dörfer nieder, ließ das erbeutete Vieh, welches er nicht fortschaffen konnte, erschießen, erreichte am 3. (13.) April Wolmirstedt wieder und zog an Magdeburg vorüber nach dem Anhaltischen.

Die nach Stendal gesendeten dänischen Truppen, 24 Kompagnien Fußvolk und 12 Kornet Reiter blieben bis zum Gründonnerstag. Am Karfreitag den 7. (17.) April zogen sie bis auf sieben zurückbleibende Kompagnien ab, teils wieder nach Tangermünde, teils nach Seehausen, Osterburg und Lenzen; eine Kompagnie unter dem Hauptmann Innocenz von Starschedel besetzte Werben. Stendal hat in dieser Zeit schwer leiden müssen, es war für die Stadt „eine rechte Marterwoche“. Fuchs hatte sein Hauptquartier am 3. (13.) April in Schönhausen genommen. Er beschloß, von hier aus zu Mansfeld zu ziehen und ließ zu diesem Zwecke wieder Burg durch seine Vorhut besetzen. Aber die grenzenlose Unordnung in der dänischen Heeresverwaltung hielt ihn auf, nicht einmal die Elbe konnte er zum Transport seiner Kriegsbedürfnisse benutzen, da seinem ausdrücklichen Befehle entgegen, die Schiffer ihre Fahrzeuge bei der Annäherung Wallensteins meilenweit stromab geführt hatten.

Inzwischen hatte Mansfeld nach der Erstürmung von Rogätz sich über Burg, Dalchau, Möckern, Biaz begeben und den Angriff auf die Schanzen eingeleitet. Die Kunde von Wallensteins Vorgehen veranlaßte ihn zum Aufbruch, um Fuchs Hülfe zu bringen. Aber schon in Lübs bei Leitzkau erfuhr er die bei Tangermünde vorgefallenen Ereignisse und Wallensteins Abmarsch. Er marschierte daher in die alte Stellung zurück, zögerte aber noch vier Tage, Verstärkung von Fuchs, oder wenigstens ein energisches Vorgehen desselben erwartend. Diese Verzögerung entschied sein Schicksal, denn sein Gegner Wallenstein gewann Zeit für Erholung und Stärkung seiner ermatteten Truppen. Mansfeld hatte auf die Nachricht von dem Rückzuge des Generals erbitterte Klagen an den König gerichtet und soviel erreicht, daß Fuchs unter sein Oberkommando gestellt wurde. Das empfand Fuchs, der auf seine Stellung als selbständiger Truppenführer eifersüchtig war, obwohl er nicht viele Beweise von Selbständigkeit gegeben hatte, als eine unverdiente Herabsetzung, er sendete daher seinem Nebenbuhler nicht sofort die verlangte Hülfe, sondern fragte erst noch einmal nach der Zahl der gewünschten Truppen, die Mansfeld wieder „aus Unwissenheit seines Standes und Gelegenheit“ nicht anzugeben vermochte. Schließlich sendete Fuchs 1000 Mann ab. Ehe diese bei Mansfeld eintrafen, war die Schlacht an der Dessauer Brücke geschlagen. Nur zwei dänische Regimenter, das Altenburgische und das Sterlingsche, hatten an dem Kampfe teilgenommen. Das Fußvolk war in der Schlacht fast vollständig niedergemacht. Auch ein Tangermünder, der Fähnrich Johann Sempff, dessen Epitaph in der St. Stephanskirche erhalten ist, fand dabei den Tod. Die Reiterei und Artillerie wurde gerettet, der Rest der Fußtruppen erreichte fliehend und ohne Gewehr Brandenburg. Da Wallenstein aus politischen Gründen Mansfeld nicht in die Mark hinein verfolgte, gewann dieser Zeit sich zu erholen. Durch die Proteste des Kurfürsten ließ er sich nicht abhalten, schwere Kontributionen einzutreiben.

Fuchs hatte mit dem Gedanken, die Offensive aufzugeben, sein Hauptquartier wieder nach Tangermünde verlegt. Er errichtete ein großes verschanztes Lager, in dem er die ganze Stadt von den Windmühlen vor dem Hühnerdorfe an bis hinter die Ziegelscheune in der Neustadt mit einem hohen Walle mit Redouten, Palisaden, Blockhäusern u. dergl. umgab. Der Hauptwall hatte eine Länge von fast drei Kilometern. Auch erbaute er zum Schutze der Schiffbrücke zwei starke Brückenköpfe. Bei dieser Gelegenheit wurde der Stadtbusch arg verwüstet. Auch die Tangerwiesen wurden unter Wasser gesetzt. Da zur Besetzung der umfangreichen Befestigung eine starke Truppenzahl notwendig war, so zog Fuchs mehrere Abteilungen aus den anderen Städten hierbei. So hatte er Tangermünde dergestalt befestigt, sagt Ritner, „daß er als ein Fuchs im Loch den Kaiserlichen wohl einen Trotz aussitzen konnte.“ In der Tat mochte Fuchs, der wohl eingesehen hatte, daß er Wallenstein im offenen Felde nicht stand halten könnte und daß er bei seiner schwachen Artillerie auch nicht eine Belagerung der festen von den Kaiserlichen besetzten Punkte der Ohrelinie unternehmen dürfte, wohl meinen, sich eine Stellung geschaffen zu haben, aus der er nur durch eine sehr bedeutende Macht könnte vertrieben werden. In dieser Zeit hatte der Administrator Christian Wilhelm mit dem Herzog Johann Ernst von Weimar einen Handstreich gegen Magdeburg versucht. Um Rache für das Mißlingen des Planes zu nehmen, kaperte Fuchs auf der Elbe achtzehn mit Kaufmannsgütern beladene Schiffe der Magdeburger und legte ihren Elbhandel lahm. Im übrigen verhielt er sich ziemlich untätig, wenigstens ist von einer größeren Unternehmung nicht die Rede. Dagegen ließ er eifrig an den Schanzen arbeiten, die Bauerschaft aus der ganzen Umgebung wurde zum Bauen herbeigetrieben. Daneben wurden bedeutende Kontributionen eingefordert, nach Götze betrug die erste Rate, welche Fuchs von den altmärkischen Städten verlangte 80 Wispel Roggen, 150 Wispel Hafer oder 100 Wispel Gerste, 900 Tonnen Bier, 200 Ochsen, 750 Schafe, 100 Fuder Heu und 100 Fuder Stroh. Um diese Zeit kam auch Mansfeld nach Tangermünde, ebenso der Administrator und der Herzog von Weimar. Die Truppen des letzteren wurden in einem besonderen Lager bei Stendal untergebracht. Infolge der Untätigkeit der dänischen Armee streiften Tillysche Reiter aus dem Lüneburgischen her durch die ganze Altmark; namentlich wurde die Umgegend von Gardelegen heimgesucht, sodaß die Tore der Stadt stets geschlossen gehalten werden mußten und niemand mehr wagte, zur Bestellung des Feldes hinauszugehen. Der Kurfürst hatte daher die Besatzung durch eine Kompagnie unter dem Hauptmann Wins am 26. Mai (5. 6.) verstärkt. Aber die ganze brandenburgische Garnison blieb untätig. Außer Tangermünde war auch Haus Calbe und der Calbische Werder von den Dänen befestigt worden. Am 9. (19.) Mai war Marquard Ranzau mit sechs Fahnen in Güssefeld, Vietzen und Umgegend eingerückt, am Himmelfahrtsfeste, 18. (28.) Mai, der Hauptmann Ernst v. Willersheim mit einer Kompagnie und am folgenden Sonntage der Hauptmann Wilhelm von der Hude mit einer Abteilung Fußvolk. Am Güssefelder Damm, bei Plathe und Beese wurden Schanzen aufgeworfen, die Bagage lag in Calbe, in dessen Umgegend der Quartiermeister Anton Kropf großen Schaden am Sommergetreide anrichtete. Auch für Tangermünde brachte die Einlagerung des dänischen Heeres eine schwere Zeit. Da die Soldzahlungen an die Truppen stockten, so legten sich diese auf das Beutemachen und trieben mit dem erbeuteten Vieh einen lebhaften Handel. Ein Schaf wurde im Lager für zwei Groschen, eine Kuh für einen Taler, ein Ochse für 36 Groschen verkauft. Unter diesen Umständen steigerte sich die Disziplinlosigkeit der Truppen wiederholt zur offenen Meuterei, sodaß Fuchs mehrere Soldaten justifizieren ließ. Anschaulich berichtet über diese Zustände im Tangermünder Lager das älteste Blatt der Magdeburgischen Zeitung.

Bereits am 5. (15.) Mai hatten die altmärkischen Stände, Ritterschaft und Städte in Stendal getagt und von hier aus unter Berufung auf die vorjährige Mißernte und den durch die Verpflegung der dänischen Truppen erzeugten Mangel an Lebensmitteln den König Christian gebeten, seine Armee aus der Altmark fortzuführen. Der König erwiderte am 14. (24.) Mai, daß er die Verhältnisse sehr bedaure, aber eine Wegführung seiner Armee würde sofort die Kaiserlichen herbeiziehen. Die Folgezeit hat die Altmärker von der Wahrheit dieses Arguments aufs empfindlichste überzeugt. Am 6. (16.) Juni hatte trotz dieses ersten Bescheides der Rat von Stendal die Bitte wiederholt, in seinem Schreiben schildert er die Not der Stadt, deren Ende sich gar nicht absehen lasse, da auch in diesem Jahre auf der vollständig ruinierten Stadtflur keine Ernte zu erhoffen sei. Der König antwortete am 15. (25.) Juni, daß ihm die Not „schmerzlich genug zum Herzen gehe“ und daß er bereits Schritte getan habe, um die Stadt von den Kriegsvölkern zu befreien. In der Tat begannen in dieser Zeit die Verhandlungen mit dem Kurfürsten über die Räumung des brandenburgischen Landes. Der kurfürstliche Gesandte Levin v. dem Knesebeck reiste nach Wolfenbüttel, wo der König schon seit geraumer Zeit untätig weilte. Von dort kam er nach Tangermünde, um die Verhandlungen mit Fuchs fortzusetzen. Am 9. (19.) Juni erhielt Knesebeck die bestimmte Zusage, daß die Mark von den Dänen geräumt werden sollte, doch ließ Fuchs schon im voraus merken, daß wegen Mangel an Fahrzeugen für das Kriegsgerät und die zahlreichen Kranken leicht eine Verzögerung des Abmarsches eintreten könnte.

Es erscheint auffällig, daß der König sowohl wie Fuchs, ohne vom Feinde gedrängt zu sein, ihre Stellungen in der Altmark aufzugeben bereit waren. Aber abgesehen von anderen, politischen Gründen, hatte der klägliche Verlauf des ganzen Feldzuges, die Widerwilligkeit der Stände und das Verhalten des Kurfürsten den Dänenkönig kriegsmüde gemacht. Auch der Administrator Christian Wilhelm hatte den Mut verloren. Kampfbereit dagegen war der Herzog von Weimar, er wollte mit 6000 Mann Fußvolk und 1000 Reitern zu Mansfeld stoßen und bat den König um Überlassung des unter Fuchs stehenden Obersten v. Flodorp und der Regimenter Baudissin, Riese und Ranzau. Mutloser noch als der König war der General Fuchs, er übersendete dem Könige die Waffenstillstandsvorschläge des Pfalzgrafen von Neuburg und erbot sich zur Vermittlung. Fuchs befand sich allerdings in einer sehr üblen Lage, denn in seinem Standlager zu Tangermünde war eine verheerende Krankheit, die rote Ruhr, ausgebrochen. Die dänischen Soldaten waren zuerst daran erkrankt, später ergriff die Seuche auch die deutschen, sie starben zu Hunderten. Schließlich wurde auch die Bürgerschaft, der, wie Ritner sagt, „der Stank des Heerlagers in die Nase gegangen war“, von der pestartig auftretenden Krankheit ergriffen; es starben bis zum Herbste 1600 Personen, darunter mehrere Geistliche und Ratsherren. Auch in Stendal wütete die Seuche, die Kirchenbücher der vier Kirchspiele weisen 2511 Gestorbene nach, darunter die beiden Bürgermeister, zwei Ratmänner und drei Geistliche, außerdem sollen noch viele Leichen heimlich in den Gärten und hinter den Mauern verscharrt sein. Auch die dänischen Truppen im Calbischen Werder litten schwer und die Krankheit verbreitete sich auch unter den Landbewohnern, in Güssefeld allein starben 78 Personen. Erst mit dem Eintritt des Frostes erlosch die Krankheit.

Nach den mit Knesebeck getroffenen Verabredungen sollte Fuchs mit dem Eintreffen brandenburgischer Truppen Tangermünde verlassen. Aber die Brandenburger kamen nicht. So sah sich Fuchs genötigt, die total verseuchten Städte Tangermünde und Stendal aufzugeben und rüstete zum Aufbruch. Am 24. Juni (4. 7.) ließ er noch ein Streifkorps von fünf Kornet Reitern auf Burg gehen, wahrscheinlich um den Feind über seine wahren Absichten zu täuschen. Am folgenden Tage zogen der Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar, dessen Truppen vom 1. bis 24. Juni (11. 6. bis 6. 7.) in einem Lager vor dem Stendaler Viehtore gelegen hatten, und der Mansfeldsche Oberst Karpzow ab. Am 26. Juni (6. 7.) gingen 16 Kornet Reiter über die Schiffbrücke in der Richtung auf Burg vor, endlich am 29. Juni (9. 7.) folgte Fuchs mit dem Fußvolk und der Artillerie. Die Schiffbrücke bei Tangermünde wurde abgebrochen und nebst der Munition und dem Kriegsgerät auf der Elbe nach Werben gebracht. Fuchs ließ zwar noch einige Streifkorps auf beiden Elbufern nach Süden schweifen, um zu erfahren, ob der Feind vorrücke, er selbst aber ging nach Sandau, von wo aus er Fehrbellin mit drei Reiterregimentern besetzte. Von Sandau ging er über Havelberg nach Werben, schlug hier die Schiffbrücke wieder auf und ersetzte das fehlende Holz durch Balken aus abgebrochenen Häusern. Die Seuche war aber noch nicht erloschen, sondern wütete auch in Werben so verderblich weiter, daß „die meisten Häuser der Stadt ledig gemacht wurden.“ Bis zum 17. (27.) Juli blieb Fuchs in Werben, dann zog er, der vielen Kranken wegen nur langsam, durch die nördliche Altmark. Die Dörfer, welche sein Zug berührte, hatten schwer zu leiden, weil nicht bloß alle Lebensmittel requiriert, sondern auch den Bauern die Kisten und Kasten aufgeschlagen wurden. Zur Deckung des Rückzuges hatte Fuchs den Hauptmann Johann Baye zurückgelassen, der sich südlich von Schnakenburg im nördlichsten Winkel der Altmark zwischen Elbe und Aland verschanzte und die hier liegenden Güter der Familie von Jagow völlig verwüstete. Die Jagows beschwerten sich vergebens darüber bei dem Kurfürsten. Am 25. Juli (4. 8.) rückten 15 Kornet Reiter von Fuchs und dem Herzog von Weimar in Salzwedel ein, nach zwei Tagen war Fuchs selbst in der Stadt. Von hier aus wendete er sich nach Süden, stand am 9. (19) August mit seiner ganzen Reiterei, 1200 Mann Fußvolk und zwei Feldstücken in Wolfsburg, ihm folgte der Oberst Lohausen mit dem übrigen Fußvolk. Von hier ging der Marsch über Fallersleben auf Königslutter.

In der Schlacht bei Lutter am Barenberge am 17. (27.) August wurde bekanntlich der König Christian, der sich mit Fuchs vereinigt hatte, von Tilly geschlagen. Fuchs selbst wurde tödlich verwundet und starb in Nauen. Schon zwei Tage darauf brachten flüchtige dänische Reiter die Nachricht von dem unglücklichen Ausgange der Schlacht nach Salzwedel, ohne viel Mitleid bei den Altmärkern zu finden. In und um Wolfenbüttel sammelte der König die Reste seines Heeres und trat von hier aus am 20. (30.) August den Rückmarsch durch das Lüneburgische über Lüchow nach der Elbe an. Der von Tilly nicht gestörte Rückzug vollzog sich unter großer Verwüstung der Landschaft. Der äußerste rechte Flügel der dänischen Armee berührte dabei noch einmal den nördlichsten Teil der Altmark. An der Elbe nahm der König wieder Aufstellung. Am 29. und 30. August (8. und 9. 9.) war er selbst in der Schanze bei Schnackenburg, von wo aus er ein Schreiben an den Kurfürsten richtete und das nochmalige Betreten seines Landes entschuldigte. Am 3. (13.) September rückte die Kompagnie Fußvolk, die noch in Calbe gelegen hatte, ab. Der südlichste Punkt der Elblinie, der von den Dänen besetzt gehalten wurde, war Werben, wo noch vom 28. Oktober bis 9. November (7. bis 19. 11) eine Kompagnie Fußvolk lag, welche an diesem Tage vor den anrückenden kaiserlichen Reitern die Stadt verließ. Seitdem hat die dänische Armee im weiteren Verlaufe des Krieges die Altmark nicht wieder berührt.

Ein Rückblick auf die Operationen der Dänen in der Altmark kann das allgemeine Urteil über den „kläglichen“ Feldzug nur bestätigen. Fuchs, der als Oberkommandierender am meisten in den Vordergrund tritt, erscheint als ein unentschlossener und unselbständiger Feldherr. Die vom König Christian ihm gemachten Vorwürfe, die ihn veranlaßt haben sollen, in der Schlacht bei Lutter freiwillig den Tod zu suchen, waren nicht ungerechtfertigt, obwohl der König von den gleichen Fehlern keineswegs freizusprechen ist; doch ist zu beachten, daß Fuchs auch mit unverschuldeten Hindernissen zu kämpfen hatte, welche die Tatkraft auch des besten Feldherrn hätte lähmen müssen.

Der Aufenthalt der dänischen Armee hat der Altmark große Kosten verursacht. Der König hat zwar für die Mannszucht strenge Maßregeln gegeben, insbesondere befohlen, daß die Truppen ihre Bedürfnisse in den Quartieren bar bezahlen sollten, aber dieser Artikel wurde nicht befolgt; sowohl Mannschaften, wie Offiziere hatten sich ja hauptsächlich in der Hoffnung auf Beutemachen zum Kriegsdienst anwerben lassen, sie setzten sich daher bald über die Befehle des Königs hinweg, und da die Bevölkerung ihnen durchaus nicht freundlich entgegenkam, riß das Plündern und Stehlen in einem Maße ein, daß die kommandierenden Generäle dagegen ohnmächtig waren, umsomehr als die Soldzahlungen beständig stockten; so hatten die Truppen im Tangermünder Lager im Monat Juli den rückständigen Sold von zwei Monaten zu fordern. Auch das untätige Leben in den Standlagern trug dazu bei, die Disziplinlosigkeit zu steigern. Am meisten haben die Städte Tangermünde und Stendal mit den umliegenden Dörfern zu leiden gehabt, demnächst Calbe und die Ortschaften im Werder, sowie die nördlichste Gegend der Altmark an der Elbe. Der ganze Schaden, der die dänische Einlagerung der Altmark und Pringnitz gebracht hat, wurde von dem kurbrandenburgischen Gesandten bei dem Könige von Dänemark zu Rendsburg auf 12 Tonnen Goldes (1,200 000 Taler) angegeben. Was die einzelnen Ortschaften gelitten haben, läßt sich im einzelnen nicht mehr feststellen. Die Dörfer bei Tangermünde waren von den Wallensteinern niedergebrannt, es war ja bei den Befehlshabern jener Zeit ein beliebtes Mittel, alle Vorräte, die sie selbst nicht verbrauchen oder fortschaffen konnten, schonungslos zu verderben, um dem Feinde durch Proviantmangel das Vorrücken oder Verfolgen unmöglich zu machen.