Einleitung.

Die Altmark war beim Beginn des 17. Jahrhunderts noch ein wohlhabendes Land. Wenn auch die politische Selbständigkeit der altmärkischen Städte seit Kurfürst Joachims I. Zeiten gebrochen war, so hatte doch die wirtschaftliche Blüte zunächst zugenommen. Leider aber war in der Folge die Üppigkeit und Völlerei, die sich allenthalben in Deutschland verbreitet hatte und sich weder durch Luxusgesetze, noch durch polizeiliche Maßregeln beseitigen ließ, auch in die Altmark eingedrungen und hatte eine immer mehr wachsende Schuldenlast der Korporationen und Privatleute hervorgerufen. Daher herrschte in den Finanzen der Kommunen, wie der kommunalen Verbände eine heillose Unordnung. Diese unglücklichen Verhältnisse fanden schließlich ihren Ausdruck in der Münzenverwirrung und Münzenverschlechterung, die unter dem Namen der „Kipper und Wipper“ bekannt ist. Infolge der überhandnehmenden Sitte, daß Fürsten und Städte ihre Münzen, um höheren Gewinn zu erzielen, an Unternehmer verpachteten, welche ihrerseits bei der Prägung den größten Vorteil zu ziehen suchten, wurden die alten vollwichtigen Geldstücke aufgekauft und eingeschmolzen und dafür geringwertige kleinere Münzen geprägt und in den Verkehr gebracht. Da die Landesherren und Stadtobrigkeiten nicht rechtzeitig dagegen einschritten, so mußte eine große Finanznot entstehen. Zwar erließen die Stände des niedersächsischen Kreises am 10. (20. n. St.) Oktober 1617 eine Münzordnung, wonach fleißig acht gegeben werden sollte „auf die Granalierer, bewegliche Zementierer, Ausklipper und Aufwechsler,“ auch sollten dieselben „an Leib und Leben ohne einigen Respekt gestraft“ werden, auch die Mark Silber nicht höher als um 12 Gulden verkauft werden; aber es gelang nicht sobald diese Münzordnung durchzuführen. Die minderwertigen Geldmünzen, vielfach „Schreckenberger“ genannt, wurden zuletzt ganz wertlos, während der Preis für die guten alten Münzen ungeheuer stieg. Hatte man noch 1599 für einen alten guten Reichstaler 24 gr. 4 Pfg. gezahlt, so war der Preis bis Neujahr 1620 auf zwei Gulden gestiegen. Während der folgenden Kriegsjahre ging die Steigerung weiter, Neujahr 1622 zahlte man 9 bis 10 Gulden. Mit Ingrimm schildern die alten Chronisten die überall entstehende Not. So schreibt der altmärkische Chronist Andreas Ritner: „da sahe man nichts, denn lose leichtfertige Paphanen, Groschen, die schier auf dem Wasser hätten schwimmen mögen.“ In der Tat wurde eine allgemeine Verteuerung aller Produkte erzeugt, die in manchen Gegenden Hungersnot hervorrief und die Bevölkerung zu Ausschreitungen veranlaßte. So erhob sich auch in den altmärkischen Städten Tangermünde, Gardelegen und Salzwedel ein heftiger Aufruhr. Schließlich gelang es zwar dem Unwesen zu steuern, aber die Leute, in deren Händen die außer Kurs gesetzten Münzen endlich zurückblieben, erlitten erheblichen Schaden. So auch die altmärkisch-priegnitzischen Städte, insbesondere Stendal, wo mit Genehmigung des Kurfürsten wieder eine Münze eingerichtet war, die kupferne Notpfennige geprägt hatte.

Noch bevor diese Not ihren Höhepunkt erreichte, hatten sich in Prag die bekannten Ereignisse zugetragen, welche den großen Kriegsbrand entzündeten. Allgemein befürchtete man durch den „gefährlichen und weit aussehenden Zustand“ der böhmischen Angelegenheiten in kriegerische Verwickelung zu geraten; deshalb verbot der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg schon am 25. Juli (4. August n. St.) 1618 seinen Untertanen in fremde Kriegsdienste zu treten, vielmehr sollte sich jeder bereit und gerüstet halten, im Falle der Not dem Vaterlande zu helfen. Trotzdem traten viele märkische Edelleute unter die Fahnen des „Winterkönigs“ Friedrich von der Pfalz. Auch der Kurfürst Georg Wilhelm, der im November 1619 die Regierung übernommen hatte, setzte die Rüstungen fort und ließ 300 Reiter unter dem Oberst Wigand v. Hacke und 1000 Mann zu Fuß unter dem Oberst Hildebrand v. Kracht anwerben. Für die altmärkischen Städte wurde die Defensionssteuer eingeführt und ihnen die Servisgelder für diese Truppen auferlegt.

Die ersten fremden Soldaten, die in der Altmark erschienen, waren gegen 2000 Mann, welche im Frühjahr 1620 von dem König Jakob von England und dem Herzog von Sachsen-Weimar geworben, dem Winterkönige zu Hülfe geschickt wurden. Sie zogen quer durch die Altmark. Die Stadt Gardelegen wußte sich durch Bewirtung der Offiziere und Spendung von sechs Faß des berühmten Bieres Garlei den Besuch fernzuhalten, aber Tangermünde mußte 4 Fähnlein, die sich durch Zuzug noch verstärkten, aufnehmen. Als sie am Abend vor Pfingsten einrückten, ließ der Rat eine Anzahl Hammel schlachten und den Soldaten das Fleisch pfundweise verkaufen. Glücklicherweise verließ die undisziplinierte Truppe die Stadt schon am dritten Tage und zog über die Elbe einem Ziele zu, daß sie gar nicht erreicht hat.

Im Jahre 1621 beschlossen nun die Stände des niedersächsischen Kreises ein Heer von 3000 Mann zu Fuß und 1000 Reitern anzuwerben, während der Kurfürst Georg Wilhelm die angeworbenen Truppen wieder entließ, weil seine Stände die notwendigen Geldmittel nicht mehr bewilligten. Inzwischen wurden die Verhältnisse in der Altmark immer übler. Das Land wurde durchzogen von zahlreichen Vertriebenen, namentlich evangelischen Geistlichen und Lehrern, welche durch die Rekatholisierung ihrer Heimat in die Fremde gestoßen waren, dazu gesellten sich die Gardebrüder, d. h. entlassene Soldaten, welche rottenweise bettelnd und brandschatzend, die Bewohner des platten Landes belästigten. Die allgemeine Not wurde noch vergrößert durch die ungünstige Ernte des Jahres 1624 mit ihrem Gefolge von Teuerung und Seuchen. So hatte die Altmark schon ehe die kriegerischen Ereignisse auf ihrem Boden sich abspielten, die Leiden des Krieges erfahren, die sich vergrößern mußten, sobald die kriegführenden Heere die unbeschützten Grenzen überschritten und das Land zum Schauplatz ihrer Kämpfe machten.