Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg Band 2 (Theil 5) · 1753

I.

Kapitel 3 von 15 · 1.226 Wörter

Dieser Stat anfänger sol auch der oftmals gemelte Drusus gewesen sein, der ein Kastel alhier errichten, und von einem Varo es Castellum Vari oder Varinum nennen lassen; und Ptolemäus sol solches durch das unweit dem Suevus gesetze Varinum angedeutet haben. Selbiges sol hernach der Kaiser Henricus Auceps ums jahr 924 erneuen, und Teutsch Werben, gleichsam als wolte er den sieg daraus erwerben, nennen lassen: auch ferner nachdem er denselben alhier erhalten, auf der andern seite der Elbe nahe an der Havel, ein ander festes haus bauen und es Sigeburg heissen lassen, wovon annoch der name Segeberge in derselben gegend vorhanden. Nun wird man zwar den beweis hiervon nicht über sich nehmen: ohngeacht sich für die bekantschaft mit den Römern Werben besser schikt, als Waren in Meklenburg. Das ist aber nach dem zeugnüs der Geschichtschreiber der zeiten gewis, daß dieser ort im 11 jahrhundert als eine auf den gränzen von Sachsen gelegene Stat und Kastel bekannt gewesen. Kaiser Heinrich der II. hat daselbst eine zusammenkunft gehalten, da auch die Wenden zugegen gewesen, und der Kaiser Reichssachen entschieden: Saepe cum Slavis in Wirbeni iuxta Albim positam conventione habita nolentibus seu volentibus his necessaria regni suimet tractavit atque potenter finivit. Ditmar. beim Leibnitz T. I. s. 382. welches Annalista Saxo mit eben den worten erzehlet ad A. 1005. s. 404. Eccard T. I. Zu des Kaisers Conradi zeiten ist es von den Wenden eingenommen und die besatzung gefangen genommen worden. Temporibus etiam suis (Conradi) pagani, qui Luticii dicuntur, Wirbinam Castellum, in confinio Saxoniae positum ceperunt, multis in eo Christianis captis & occisis: wiewohl sie der Kaiser hierauf verfolgt und zu paaren getrieben: quos Imperator persequens cum exercitu suo eos imperio subiugavit. Chronic. Halberst. in Leibnit. T. II. f. 122, und f. 748 führt Cornerus aus des Helmolds überbleibseln eben dieses an, und bringt es aufs jahr 1035. Werben oppidum in confinibus Saxoniae situm pagani, qui Wilzi dicuntur, genere Slavi expugnaverunt, multis Christianis in eo peremtis: quos tamen Imperator cum exercitu forti aggressus fugavit, & tandem sibi vectigales effecit, welches in seinem Chronico ad h. a. mit eben den worten wiederholet wird. T. II. s. 575. Annalista Saxo ad An. 1035. s. 463, thut dessen mit dem zusatz meldung, daß die besatzung, und zwar des Markgrafens Dedo, wäre gefangen weggeführet worden. Tempore quadragesimali urbs Wirbini a Liuticis capitur & praesidium Dedonis captivum deducitur. Wie dann um diese zeit viel streit und krieg in dieser gegend zwischen den Christen und Wenden vorgegangen. Plura & insolita bella inter Luitizos & nostrates ad oppidum Wirbini exorta sunt, in quibus de nostris quidam interfecti sunt, & plerique fauciati. Annal. Hildeshemens. Leibnit. T. I. s. 727. Eben dieses Chronicon meldet c. I. s. 726 ad a. 1032, daß der Kaiser Conradus zu Werben um das Reich wieder die Liutizier in ruhe zusetzen, sich aufgehalten: Quem (Udalricum) Imperator postea Wirbeni, ubi contra Liutizios pacificandi regni gratia consedit, ad se venientem & etiam ratione convictum, . . . in exilium transmisit. Vergl. Annalist. Sax. bei diesem jahr. Eccard. T. I. s. 462. Es liegt zwar noch ein Werben im heutigen Ober Sachsen unweit Merseburg: dessen Annalista Saxo ad A. 1009. beim Eccard T. I. s. 410. gedenket: Wigbertus in diebus divinitus sibi concessis haec suae acquisivit ecclesiae: Sidageshusen & Wirbeni, in Derdelunge IX. mansos ac in Daluini VII. in Menstede III. Daß dieses aber hier nicht zuverstehen sei, erhellet aus der lage, daß es auf den gränzen von Sachsen, und zwar nach Ditmari zeugnüs an der Elbe gelegen; und von den Liutiziern, oder wie es das Chronicon Halbert. erklähret, Wilzis eingenommen worden, welche bei Merseburg oder Weissenfels damals nichts zuthun gehabt.

Daß auch der Erzbischof Gero von den Slaven hier in Werben überfallen, und der ort geplündert worden, zeigt Ditmarus beim Leibnitz T. I. s. 424. Archiepiscopum Geronem in Wirbini & Sifridum Comitem Nesici petierunt, & in quantum eis placuit, abstulerunt. Da es also ein ort gewesen wieder die Wenden an den gränzen: so ist das wortspiel nicht unangenehm, wann man das wort Werben aus dem platteutschen vör buen, vorbauen, wie Wenden von Vaenden, Feinden herleiten wil, weil es vor den Wenden und wieder dieselbe gebauet worden; und würden dem leztern die aus den Niederlanden zu Albrechts des Bären zeiten angekommene Niederländer zustatten kommen, weil Vaenden doch ein Holländisch wort ist; wenn nur nicht Tacitus schon im Lateinischen Venedi gesagt und die Venedos weiter hin an osten angetroffen hätte. Weil auch noch das wort buhnen, bunen, gebräuchlich, welches heisset erde mit kleinen pfählen, gerten und strauchwerk gegen das wasser befestigen und vorbauen, damit das wasser nicht austrete oder einreisse; hier aber dergleichen erdbau vornehmlich vorgegangen, und dämme oder teiche wieder den einbruch der Elbe vorgebauet, vörbunet, vörbuet worden: so würde die sache selbst dieser ableitung nicht entgegen sein; insbesondere da dieser ort unter allen der Elbe am nächsten gelegen, auch wohl die gegend gewesen sein mag, da man das dämmen angefangen; die Stat selber in der absicht etliche mahl erhöhet und von daher das dammen fortgesetzet und bestritten worden. Daß aber Sachsen und also Teutsche hier vorgebauet, hat uns Helmold oben gelehret l. Th. III. K. II. §. s. 88. Sonst lässet es sich aus dem Wendischen auch bequem herleiten. Dann Werba heisset auf Wendisch eine weide, Werbina ein weidenbusch, Salicetum, und in dem Teutschen nennet man die rundblätterige weiden, so in den feuchten örtern sich auszubreiten pflegen, werften. Und weil die ersten anfänger dieser Stat viele weiden hier mögen gefunden haben; wie dann der hiesige erdboden, auch wann die Elbe hin und wieder eine insul aufwirft, von selbst weiden oder Hagen d. weidenbusch treibet, welchen, wann er ausgehauen wird, die schönste weiden hervorbringet: so mögen sie es daher Werben, d. Weidebusch genannt haben, gleich wie Briesen ein dorf 2 meilen von Frankfurt dem worte nach einen birkenbusch heisset, weil daselbst noch heut zutage viel birken wachsen. Wastrow eine gegend gleichfalls bei 2 meilen von Frankfurt ein Eichbusch, weil es in derselben viel eichen giebt. Leipzig, Lipsky ein Lindenbusch, von Lipa eine Linde. Ob aber die Teutschen dieses wort von den Wenden, oder die Wenden von den Teutschen entlehnet, weil es gleich, wie unterschiedene andere, bei beiden gemein ist, solches läst man unerörtert.

(Daß auch die Stat Werben zum Hanseatischen Bund gehöret, und ehedem eine berühmte Handelsstat gewesen, ist oben IV. Th. III. Abth. s. 1139 berühret worden: deme wir noch beifügen, daß sich zwar keine schriftliche urkunde hiervon vorgefunden, iedoch daher zuvermuthen, weil der ort zu dem handel überaus bequem an der Elbe, wo die Havel hinein fält, gelegen, in der Stat selbst aber sehr viel und grosse Kornhäuser befindlich, welche sonderlich den getreide handel gefördert; kann also mit gutem grund der algemeine ausdruk von Märkschen Stäten und Kaufleuten am angef. ort auch die Stat Werben vor andern in sich begreifen.)

Sonsten aber ist noch eine Stat gleiches namens in Pommern gelegen, so zu dem amte Koldebatz gehörig, und deren Praepositus 15 Pfarren unter sich hat, besage Micraelii Pomm. Chron. IV. Th. s. 620. Ingleichen daß ein grosses dorf dieses namens Werben in dem Kothbusischen bezirk eine gute meile von Kotbus vorhanden, so bei 100 Einwohner hat, und bei welchem viel und die beste Eisen erde der ganzen gegend gegraben wird: woraus zugleich zu schliessen, daß man den namen Werben vergebens bei den Römern, oder auch Henrico Aucepe suche, weil dieses dorf mitten in dem Wendischen lieget, wohin weder die Römer, noch Henricus Auceps iemahls gekommen.